Mobilfunk
Sprint Nextel streicht 8 000 Arbeitsplätze

Der drittgrößte Mobilfunk-Anbieter der USA will damit die Kosten um 1,2 Mrd. Dollar pro Jahr drücken. Gekürzt wird nach Angabend des Unternehmens in allen Bereichen - wegen der Wirtschaftskrise. Doch die Probleme sind auch hausgemacht, meinen Experten.

DÜSSELDORF. Der amerikanische Mobilfunkanbieter Sprint Nextel streicht 8 000 seiner insgesamt 60 000 Stellen. Der drittgrößte Anbieter der USA will damit die Kosten um 1,2 Mrd. Dollar pro Jahr drücken. In dem Plan sind bereits 850 Stellen enthalten, deren Abbau das Unternehmen schon im vergangenen Jahr beschlossen hatte. Sprint Nextel rechnet damit, dass die Streichungen wegen einmaliger Aufwendungen wie Abfindungen rund 300 Mio. Dollar kosten. Gekürzt werde in allen Bereichen. Als Ursache für die Kürzungen nennt der Anbieter mit Sitz in Kansas die Wirtschaftskrise.

Im Dezember hatte der US-Riese AT&T 12 000 Jobs und damit vier Prozent seiner Belegschaft als Folge des Abschwungs gestrichen. Die Meldungen aus den USA verwundern auf den ersten Blick. Schließlich galt die Telekombranche in der aktuellen Krise als einer der wenigen sicheren Häfen. Die Nutzer hörten auch in Krisenzeiten nicht auf, zu telefonieren, weil das ein Grundbedürfnis sei, argumentieren Experten.

Tatsächlich haben die Probleme der beiden US-Unternehmen aber offenbar weniger konjunkturelle, sondern interne Gründe. Dan Bieler vom Marktforscher IDC geht zwar davon aus, dass die Branche krisenbedingt "Potenzial nach unten" hat, weil die Kunden versuchen könnten etwa bei hohen Roaming-Ausgaben zu sparen.

"Die Probleme von Sprint Nextel sind aber auch hausgemacht", erklärt er und die Krise damit zum Teil vorgeschoben. So kämpft das Unternehmen auch im Jahr vier nach dem Merger immer noch mit den Folgen des Zusammenschlusses. Sprint und Nextel nutzten verschiedenen Mobilfunktechniken. Bei dem Versuch, beide Modelle zu integrieren, sind zahlreiche Kunden abgesprungen.

In den USA gilt Sprint Nextel wegen der anhaltenden Schwierigkeiten als Übernahmekandidat. An der Börse ist der Anbieter nur noch sieben Mrd. Dollar wert - nur noch gut ein Zehntel des Wertes von vor zwölf Monaten. Auch die Nachricht der Stellenstreichungen konnte gestern den Kurs nur gut ein Prozent anheben. Als möglicher Käufer wurde im vergangenen Frühjahr auch die Deutsche Telekom gehandelt, die mit T-Mobile in den USA vertreten ist. Die Bonner haben zwar abgewinkt. "Durch den niedrigen Marktwert von Sprint Nextel wird das Thema die Telekom in diesem Jahr sicher wieder beschäftigen", glaubt Hannes Wittig von JP Morgan.

AT&T wiederum hat vor allem in seiner Festnetzsparte Stellen gestrichen. Das Festnetz leidet bei den meisten Anbietern, weil immer mehr Kunden nur noch mobil telefonieren.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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