Mobilfunk T-Mobile rechnet Videos nicht auf Datenpaket an – in den USA

T-Mobile verkündet in Los Angeles eine bahnbrechende Neuerung: Kunden in den USA können künftig so viele Filme und Videos auf ihrem Telefon schauen wie sie wollen. Großaktionär Deutsche Telekom gab vorher grünes Licht.
T-Mobile USA Vorstandschef John Legere auf einem Uncarrier event. (Archiv) Das Streamen von Filmen soll nicht mehr das Datenpaket von US-Mobilfunk-Kunden belasten. Quelle: ap
John Legere

T-Mobile USA Vorstandschef John Legere auf einem Uncarrier event. (Archiv) Das Streamen von Filmen soll nicht mehr das Datenpaket von US-Mobilfunk-Kunden belasten.

(Foto: ap)

New YorkLangsam wird es fast eine Gewohnheit: John Legere kam wie ein Rockstar auf die Bühne, von einigen hundert Mitarbeitern frenetisch gefeiert. Schwarzes Samtjacket, pinkfarbenes T-Shirt mit weißen T-Mobile-Logo, die Haare nach hinten gekämmt: Ein Rebell in Edelklamotten. Der Vorstandschef von T-Mobile USA setzte dann zum Monolog an, der wie in allen neun vorherigen „Un-Carrier“-Events nur so mit Schimpfwörtern gespickt war. „Die Konkurrenz wird dümmer und dümmer“, sagte er im Shrine Auditorium in Los Angeles. „Das macht es f***ing einfach für uns“. Immerhin: Eine Mutter in der ersten Reihe bat er, ihrem Jungen die Ohren zu zuhalten.

Der von T-Mobile am vergangenen Dienstag organisierte Event war der Zehnte seiner Art, in der Legere seit 2013 eine Reihe bahnbrechender Reformen ankündigte: Vom Abschaffen der Roaming-Gebühren im Ausland bis zum Erstatten der „Break-Up-Fee“, der Gebühr, die andere Anbieter erheben, wenn ein Kunde frühzeitig seinen Vertrag auflöst, um zu T-Mobile zu wechseln. „Wir werden nicht aufhören, die Branche aufzumischen“, sagte Legere.

Das ewige Leiden der T-Aktionäre
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Als die Deutschen plötzlich zu Aktionären wurden: Nach einem beispiellosen medialen Tam Tam geht die Deutsche Telekom am 18. November 1996 an die Börse; die T-Aktie ist die neue Volksaktie. Der Einführungspreis beträgt 28,50 D-Mark. Schon am ersten Handelstag springt der Kurs auf über 33 Mark, umgerechnet 17,33 Euro. Der Macher: Der damalige Telekom-Chef Ron Sommer.

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Aller Anfang ist schwer: Vor dem Gang an die Börse setzt niemand auch nur einen Pfifferling auf das Staatsunternehmen. Der Zorn potentieller Anleger entlädt sich an den neuen Telefontarifen, der Telekom-Chef wird zum Buhmann der Nation. Trotz aller Querelen im Umfeld hält Sommer am Börsenfahrplan fest.

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Der Erfolg ist durchschlagend: Die zweite Tranche der T-Aktien geht am 28. Juni 1999 an die Börse. Der Ausgabepreis liegt bei 39,50 Euro - und damit fast dreimal so hoch wie beim ersten Mal.

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Innerhalb der nächsten Monate steigt die Aktie in ungeahnte Höhen. Der absolute Höhepunkt ist am 6. März 2000 erreicht mit - Achtung, Taschentücher bereithalten - 103,50 Euro.

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Im Millenniums-Börsenrausch schubst die Telekom auch ihre Internet-Tochter T-Online aufs Börsenparkett. Sechs Jahre hält das Gastspiel an, dann wird T-Online wieder in den Mutterkonzern eingegliedert. Aktionäre erhalten für 25 T-Online-Aktien 13 Aktien der Telekom. Gewinne haben sie mit T-Online nicht gemacht.

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T-Aktie - Klappe, die dritte: Die dritte Tranche der Telekom-Papiere wird am 19. Juni 2000 an der Börse platziert. Der Ausgabepreis liegt bei 66,50 Euro und ist damit spürbar günstiger als bereits gehandelte Papiere. Frühzeichner zahlen sogar weitere drei Euro weniger. Am ersten Handelstag sinkt der Kurs jedoch auf 65,79 Euro - im Nachhinein ein erstes Alarmzeichen.

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2001 ziehen dunkle Wolken auf: Die Telekom korrigiert den Wert ihrer Grundstücke um insgesamt 2,5 Milliarden Euro nach unten. Anwälte vermuten, dass dieser Umstand dem Konzern bereits vorher bekannt gewesen sein muss. Vor allem Anleger des dritten Börsengangs fühlen sich getäuscht. Eine Klagewelle beginnt. Im selben Jahren erwirbt die Telekom die amerikanischen Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für ca. 39,4 Milliarden Euro (inklusive übernommener Schulden). Angesichts der Höhe des Preises, die der Telekom eine zusätzliche Schuldenlast aufbürgt, geht ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit.

Sein neuster Vorstoß hat es in sich: Kunden können von kommender Woche an so viele Filme, Fernsehshow oder Videos auf ihren Telefonen schauen, wie sie wollen – ohne Aufpreis. „Binge-On“ nennt T-Mobile das und spielt damit auf ein Phänomen im Internet-Fernsehzeitalter an: Das Zuschauer sich gleich mehrere oder alle Folgen einer Serie ansehen. Laut Legere machen 84 Prozent aller Millennials das, 71 Prozent der Generation X und 56 Prozent der Baby Boomer. „Selbst im Altersheim“, witzelte er über das Altersdiagramm.

Das endlose Fernsehen auf dem Telefon wird vor allem jüngere Kunden zu T-Mobile locken. Allerdings wird auch das Netzwerk des US-Anbieters erheblich stärker belastet werden, ohne sofort höhere Umsätze einzubringen. „Investoren haben Angst“, sagte Legere auf Anfrage des Handelsblatts, wie denn Großaktionär Deutsche Telekom die Initiative sehe, „es sieht so aus, als ob T-Mobile ein Streichholz in einen Benzinkanister wirft und seine Dienstleistungen gratis vergibt“.

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