Mobilfunk
Vodafone schwächelt auf dem Heimatmarkt

Ausgerechnet in Großbritannien droht Vodafone seine Stellung als Platzhirsch zu verlieren: Sollten die Wettbewerbsbehörden das Joint Venture zwischen der T-Mobile und dem France-Telecom-Ableger Orange absegnen, würde Vodafone auf dem hart umkämpften Markt auf den dritten Rang abrutschen.

LONDON. Der weltweit umsatzstärkste Mobilfunker Vodafone muss sich in Bescheidenheit üben. Auf dem britischen Heimatmarkt belegt der einstige Platzhirsch nur noch den dritten Rang. Und die Chancen stehen schlecht, dass Vorstandschef Vittorio Colao kurzfristig etwas am schleichenden Abstieg ändern kann.

Anfang September sah es für einen kurzen Moment so aus, als könnte Vodafone doch noch einmal in die Offensive gehen. Colao hatte ein unverbindliches Angebot von rund vier Mrd. Pfund für die britische Mobilfunk-Tochter der Deutschen Telekom abgegeben. Doch Vodafone bekam genau so wenig den Zuschlag wie der spanische Konkurrent Telefonica, der mit seiner britischen Tochter O2 ebenfalls für T UK-Mobile geboten hatte.

Der Preis, den Vodafone und Telefonica bezahlen wollten, war den Deutschen nicht hoch genug. Deswegen bringt die Telekom ihre angeschlagene britische Tochter nun in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem France-Telecom-Ableger Orange ein. Segnen die Wettbewerbsbehörden das Joint Venture ab, würden Orange und T-Mobile mit einem gemeinsamen Marktanteil von 37 Prozent zur Nummer eins auf der Insel aufsteigen. Auf Rang zwei würde O2 mit 27 Prozent folgen und für Vodafone bliebe mit 25 Prozent nur noch Platz drei. Die Experten der Beratungsfirma CCS Insight sehen Vodafone als "größten Verlierer des T-Mobile-Orange-Deals". Als ehemaliger Marktführer sei der Abstieg auf den dritten Rang für Vodafone "eine bittere Pille".

Der britische Mobilfunkmarkt gilt mit fünf Netzbetreibern als der am härtesten umkämpfte in Europa. Neben Vodafone, O2, Orange und T-Mobile streitet auch 3, eine Tochter des asiatischen Konzerns Hutchison Whampoa um Marktanteile. Einige Analysten erwarteten, dass Vodafone nach dem fehlgeschlagenen Gebot für T UK-Mobile versuchen wird, den mit einem Anteil von neun Prozent mit Abstand kleinsten Anbieter zu übernehmen. Aus dem Umfeld des Konzerns hieß es allerdings, dass derzeit kein Interesse an 3 bestehe. "Fast sieht es so aus, als habe sich Vodafone mit seiner relativ schwachen Position auf dem Heimatmarkt abgefunden", meinen die Analysten von Morgan Stanley.

"Im Prinzip liegt Vorstandschef Colao mit seiner Strategie, sich auf die wachstumsstarken Emerging Markets zu konzentrieren, richtig", sagt ein Londoner Investmentbanker. Es mache wenig Sinn, Kapital auf spektakuläre Übernahmen in den übersättigten westeuropäischen Mobilfunkmärkten zu verschwenden.

In Großbritannien erzielt Vodafone nur noch elf Prozent seines Umsatzes. Die Erlöse sind wegen des intensiven Preiswettbewerbs seit einigen Quartalen rückläufig. In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres sank der Umsatz in Europa um mehr als vier Prozent. In Indien stiegen die Serviceumsätze dagegen um 23 Prozent. Mit einem Marktanteil von 18 Prozent erreicht Vodafone inzwischen 37 Prozent der Bevölkerung auf dem Subkontinent. Dank des Wachstums in den Emerging Markets steigerte Vodafone den Umsatz in den ersten drei Monaten um gut neun Prozent auf knapp elf Mrd. Pfund. Gewinnziffern wurden in dem Zwischenbericht nicht ausgewiesen.

Bis vor drei Jahren hatte der Weltmarktführer auch in Großbritannien auf Rang eins gelegen, doch dann zog die Telefonica-Tochter O2 vorbei und setzte sich an die Spitze. Seit 2007 konnten die Spanier ihre führende Stellung auf dem britischen Markt weiter ausbauen. Grund dafür ist vor allem die exklusive Vertriebsvereinbarung, die O2 mit dem US-Konzern Apple für das I-Phone geschlossen hat. Bislang konnte O2 rund 1,5 Mio. Stück der Smartphones absetzen und Vodafone-Chef Colao räumte im Juli ein, dass das I-Phone-Monopol des Konkurrenten dem eigenen Geschäft schade.

Doch das könnte sich ändern. Im November hat Apple zum ersten Mal die Gelegenheit, den I-Phone Vertrag mit O2 zu kündigen. Einige Analysten erwarten, dass die Amerikaner, dann die Vertriebsvereinbarung für andere Anbieter öffnen. "Das wäre sicher eine Chance für Vodafone, aber der neue Marktführer Orange/T-Mobile könnte die attraktiver Variante für Apple sein", meint ein LondonerBanker.

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