Mobilfunkbranche
E-Plus-Chef kritisiert Egos der Bosse

Torsten Dirks geht mit der Mobilfunkbranche hart ins Gericht: Superschnelle Netze seien Angeberei von Managern, das iPhone ein Handy von gestern. Der E-Plus-Chef will nun auch im Datengeschäft Billigtarife einführen – ein Vorstoß der sich lohnen könnte.
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DÜSSELDORF. Das iPhone verliert nach Ansicht der Mobilfunkbranche an Attraktivität. Vor drei Jahren galt das Kulthandy von Apple als Magnet für zahlungskräftige Kunden. Inzwischen setzen zahlreiche Experten und selbst Netzbetreiber auf das Konkurrenzprodukt von Google: Handys mit dem Betriebssystem Android.

„Apple wird in zwei Jahren beim Marktanteil nicht mehr da sein, wo sie heute sind“, sagt Torsten Dirks, Chef des deutschen Mobilfunkers E-Plus, dem Handelsblatt. „Das iPhone wird im Markt für Smartphones an Bedeutung verlieren, Android wächst viel schneller.“ In den USA ist der Siegeszug bereits vorbei: Im dritten Quartal wurden erstmals mehr Android-Handys verkauft als iPhones.

Dirks, der hierzulande knapp 20 Mio. Kunden bedient, hat zwar jüngst auch mit Apple über den Vertrieb des iPhones verhandelt, sich dann aber dagegen entschieden. In Konzernkreisen heißt es, den E-Plus-Chef hätten die Bedingungen von Apple gestört. Der Innovator aus Cupertino schreibe den Netzbetreibern Mindestabnahmemengen und -werbebudgets für das Gerät vor. Die Abnahmemengen seien angesichts der nachlassenden Nachfrage nach dem iPhone und des Preisbewusstseins der Kunden von E-Plus zu hoch, heißt es.

Apple wollte sich zu den Bedingungen nicht äußern, ebenso wenig Vodafone und Telefónica, die das iPhone seit einigen Wochen in Deutschland unter eigener Marke vertreiben. E-Plus bietet seinen Kunden zwar auch iPhones an, kauft die Geräte aber von unabhängigen Händlern.

Dieser Weg ist typisch für die Tochter der niederländischen KPN, die sich in den vergangenen Jahren als Sparmeister der deutschen Branche etabliert hat. Die positive Folge ist eine Rekord-Rendite beim operativen Gewinn (Ebitda) von zuletzt 45,4 Prozent. Eine solche Marge ist sehr ungewöhnlich für die Nummer drei eines Marktes. In diese Regionen stößt sonst allenfalls der Marktführer vor – die Telekom veröffentlich ihr aktuelles Ergebnis heute, hatte zuletzt aber 43,9 Prozent.

Die negative Folge der Sparwut ist das schlechteste aller vier deutschen Mobilfunknetze, wenn es um die Übertragung von Daten geht. Die fallen etwa an, wenn man mit dem Handy im Internet surft. Doch das soll sich jetzt ändern: 550 bis 750 Mio. Euro will Dirks 2011 in das Netz investieren – mehr als in den vergangenen zehn Jahren.

Billigtarife auch im Datengeschäft

Doch die Aufholjagd hat einen Haken: Die Konkurrenten bleiben trotzdem einen Schritt voraus, denn sie investieren bereits in die vierte Mobilfunkgeneration – im Fachjargon LTE genannt – während E-Plus gerade erst die Zwischenstufe baut. Doch Dirks winkt ab: „Dieser technologische Wettlauf ist doch nur was für die Egos der Manager.“ Es gebe noch gar keine Massenanwendungen für LTE. „Der Kunde will am Ende viel surfen und wenig dafür zahlen – das ist ganz simpel.“

Dirks will deshalb auch im Datengeschäft Billigtarife einführen. Seit dieser Woche verkauft er Handys, deren Kaufpreis automatisch eine Daten-Flatrate enthält. Wolfgang Specht von der West LB hält den Zeitpunkt für den Datenvorstoß für gut gewählt. „E-Plus profitiert jetzt von der Gnade der späten Investition“, sagt er. „Die Netzkomponenten sind inzwischen deutlich günstiger und es gibt außer dem iPhone zahlreiche und auch bezahlbare Smartphones auf dem Markt.“

Beim flächendeckenden Ausbau des Datennetzes gibt es aber ein weiteres Problem: E-Plus hat bei der Auktion im Frühjahr als einziger keine reichweitenstarken Frequenzen ersteigert, die den Bau eines Datennetzes auf dem Land erschwinglich machen. Dennoch will Thorsten Dirks in diesem Feld mitmischen. „Dann wird der Ausbau da eben ein bisschen teurer“, sagt er. Schließlich habe E-Plus in der Auktion gut eine Mrd. Euro weniger ausgegeben als die anderen.

Das klingt gelassener als der E-Plus-Chef vermutlich ist. Hinter den Kulissen sprechen die Düsseldorfer mit den Rivalen über Kooperationen. Dazu sagt Dirks nur soviel: Das Netz eines Rivalen will er auf dem Land nicht mieten, weil das technisch sehr schwierig und folglich kostspielig sei.

VITA

Der Diplom-Ingenieur ist ein alter Hase in der Telekombranche. Seit 1996 ist er schon bei E-Plus und war zunächst als Chef für Innovationen, Netz und IT für die Mehrmarkenstrategie mitverantwortlich. Unter enger Führung der holländischen Mutter KPN hat E-Plus 2005 hierzulande einen Preiskrieg für Handy-Telefonate losgetreten, der bis heute anhält. Dieses Konzept will Dirks nun beim mobilen Internet wiederholen. Seit Anfang 2007 ist der 47-Jährige Vorsitzender der Geschäftsführung und seit Sommer 2006 Geschäftsführer der internationalen Mobilfunktöchter von KPN, zu denen außer Deutschland auch Belgien, Frankreich und Spanien gehören.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid

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