Mobilfunkbranche
Wir sprechen lieber Deutsch

Seit knapp einem Jahr umwirbt der Mobilfunker E-Plus mit seiner Tochter Ay Yildiz gezielt Deutsch-Türken. Die Konkurrenz macht keine Anstalten, E-Plus diese zukunftsträchtige Zielgruppe abspenstig zu machen. Die Unternehmen haben große Probleme, allein ihre Interessenten auf Türkisch zu beraten.

DÜSSELDORF. „Müjde – gute Nachrichten“ verkündet der türkische Comedy-Star Beyaz auf Plakaten in deutschen Großstädten wie Köln und Berlin. Er preist die Handy-Flatrate von Ay Yildiz an – einer E-Plus-Tochter, die seit Oktober vergangenen Jahres spezielle Angebote an Türkischstämmige in Deutschland macht. Sie zeichnet sich durch günstige Verbindungen ins türkische Fest- und Mobilnetz, eine zweisprachige Hotline und zielgruppengerechte Werbeaktionen aus.

Dogan Calmaz ist Geschäftsführer von Ay Yildiz. Mit seinen 34 Mitarbeitern versucht er, 2,7 Millionen Deutsch-Türken für Ay Yildiz zu gewinnen. Alle in seinem Team seien türkischer Abstammung, sagt er, und das nicht ohne Grund: „Unsere Mitarbeiter sind mit der türkischen Kultur vertraut, sprechen Deutsch und Türkisch und kennen die Denke ihrer Landsleute“. Und da Verständnis allein nicht reicht, investiert das Unternehmen einen sechsstelligen Betrag in Werbemaßnahmen.

Kunden- oder Umsatzzahlen geben weder Calmaz noch die niederländische E-Plus-Mutter preis. Marcus Sander, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim, geht von „allenfalls 100 000 bis 150 000 Kunden“ aus. Trotzdem berge die Zielgruppe Potenzial: „In solch einer Nische können überproportionale Margen erzielt werden.“ Die Kosten für Werbung seien relativ gering, denn Kunden könnten gezielter angesprochen werden und vieles laufe über Mundpropaganda. Zudem könne Ay Yildiz auf die Erfahrung des Mutterkonzerns KPN zurückgreifen, denn das Unternehmen sei bereits in Belgien mit einem ähnlichen Projekt erfolgreich.

Die Marke nicht zersplittern

Ay Yildiz setzt bei Werbung und Beratung auf verständliche Ansprachen. Die Konkurrenz wirkt im Vergleich regelrecht unbeholfen. „Kundenberatungen auf Türkisch bieten wir natürlich an", sagt zwar Husam Azrak, Pressesprecher bei T-Mobile Deutschland. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Kunden, die eine solche Beratung in einem Shop wünschen, bekommen diese nur, wenn dort zufällig ein türkischsprachiger Mitarbeiter beschäftigt ist. Falls nicht, müssen sie darum bitten, dass jemand die Hotline anruft. Im Callcenter wird dann ein Ansprechpartner gesucht.

Wer selbst dort anruft, muss zunächst mit einem Mitarbeiter verbunden werden, der die fremde Sprache spricht. Wie viele schon an dieser Hürde scheitern, ist unklar. Auch bei O2 und Vodafone gibt es keine türkischsprachige Hotline. „Es kann sein, dass in den Shops der eine oder andere Mitarbeiter Türkisch spricht“, sagt Christine Knoepffler von O2. Versprechen kann sie nichts.

Keines der drei Konkurrenzunternehmen macht E-Plus derzeit mit einer eigenen Marke Konkurrenz. Branchenkenner Torsten Gerpott sieht für die Zurückhaltung zwei Gründe: Zum einen wolle nicht jedes Unternehmen die eigene Marke so zersplittern wie E-Plus, sagt der Professor für Telekommunikationswirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Der Mobilfunker bietet momentan neben der Eigenmarke und Ay Yildiz noch weitere Marken an. Alle auf spezielle Kundenkreise abgestimmt, wie zum Beispiel Base. Der Nachteil: „Die eigene Markenidentität geht in dem Durcheinander verloren.“

Zum anderen müsste sich ein Unternehmen, das Ay Yildiz die Stirn bieten wolle, mächtig ins Zeug legen. „Ein zweiter Anbieter muss die Kunden zum Wechseln bewegen“, sagt Gerpott. Platz sei jedoch genug in dem Kundensegment der türkischstämmigen Mitbürger – einen bis zwei weitere Mitstreiter könne der Markt durchaus verkraften.

Ay Yildiz spricht Nationalstolz an

Doch die Konkurrenz tastet sich nur sehr zaghaft an die ausländische Zielgruppe heran. Spezielle Zusatzverträge mit günstigen Konditionen für Telefonate in die Türkei bietet derzeit ausschließlich T-Mobile an. Gefragt nach ähnlichen Offerten, weist Vodafone-Sprecherin Tanja Damen auf eine breite Produktpalette hin, die für jeden etwas bereit halte. O2-Sprecherin Knoepffler berichtet von geplanten Urlaubstarifen – die sind jedoch in erster Linie für günstige Telefonate aus dem Ausland nach Deutschland gedacht.

Fraglich, ob diese Bemühungen die türkische Community in Deutschland erreichen. Ay-Yildiz-Geschäftsführer Dogan Calmaz ist überzeugt: „Die Zielgruppe honoriert, dass wir eigens für sie ein Produkt entwickelt haben.“ Mittlerweile sei das Interesse der türkischen Medien geweckt – die hätten bereits über ihn und seine Mitarbeiter berichtet. Telekommunikationswissenschaftler Torsten Gerpott hält die Strategie für gelungen: „Ay Yildiz spricht den Nationalstolz der Türken an und gibt ihnen das Gefühl, dass sie in Deutschland mit einer großen Gruppe vertreten sind.“ Alle anderen sprechen offenbar lieber Deutsch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%