Mobilfunker kennen die Technik, aber nicht die Nutzer
Der Kunde, das unbekannte Wesen

Telekommunikation ist ein schnelllebiges Geschäft. Ausgerechnet für den Datenübertragungsstandard UMTS scheint diese Regel jedoch nicht zu gelten: Fünf Jahre nach der Lizenzversteigerung stellen sich die vier deutschen Netzbetreiber immer noch die alles entscheidende Frage: Was sollen wir mit dem neuen Standard überhaupt anfangen?

DÜSSELDORF. Sorgsam haben sie in den vergangenen Jahren technische Probleme gelöst und daran gearbeitet, ihre Schulden abzutragen: Neben den Kosten für die Lizenz haben die Betreiber jeweils ein bis zwei Mrd. Euro in den Ausbau der Netze investiert – der Branchenzweite Vodafone sogar weitaus mehr.

Nur an die Kunden hat in dieser Zeit offenbar niemand so richtig gedacht. Technisch kann heute das Mobiltelefon das Fernsehgerät, die Stereoanlage und das Diktiergerät ersetzen – aber wer will das schon? „Wir müssen dem Kunden erklären, dass er ein Problem hat, von dem er noch nichts weiß“, sagt ein Sprecher von O2. Auch bei E-Plus heißt es selbstkritisch: „Wir sind Lichtjahre vor den Bedürfnissen der Kunden.“ Der drittgrößte Mobilfunker in Deutschland gibt sich in Sachen UMTS deshalb zurückhaltend und setzt stattdessen auf Billigtarife für mobile Sprachtelefonie.

Die übrigen testen, welche Anwendungen ihren Kunden gefallen könnten. Zu den Favoriten gehören mobiles Surfen im Internet, E-Mail-Abrufe per Handy, mobiles Fernsehen und das Herunterladen von Musik. In der Vergangenheit hatten die Konzerne allerdings keinen guten Riecher für die Bedürfnisse ihrer Kunden: Das Foto-Handy floppte, stattdessen gerieten Textnachrichten (SMS) zum Erfolg. Die Mobilfunker erzielen 15 bis 17 Prozent ihres Umsatzes mit SMS.

Von solchen Anteilen ist UMTS ein halbes Jahr nach dem Massenstart noch weit entfernt. Der Umsatz mit Daten außer SMS macht nach Angaben der Marktforscher von Gartner gerade zwei Prozent aus. Wie sich diese Umsätze entwickeln und wie viele Nutzer die Betreiber in den kommenden Jahren erwarten – darüber schweigt die Branche.

UMTS-Kundenzahlen nennt nur Vodafone. Seine 530 000 UMTS-Nutzer entsprechen gerade 1,5 Prozent der gesamten Kunden, generieren aber vier Prozent des Umsatzes. Vodafone sieht in dem neuen Standard den Schlüssel für künftiges Wachstum. „Ohne UMTS ist der Mobilfunk eine Sackgasse“, heißt es bei dem Unternehmen. Bis März 2006 will Vodafone mit seinem schnellen Netz 70 Prozent der Bevölkerung erreichen.

Seite 1:

Der Kunde, das unbekannte Wesen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%