Mobilfunkmärkte im Umbruch
Preiskrieg auf dem Schweizer Telefonmarkt

Auf dem Schweizer Telefonmarkt liefern sich die ehemalige Monopolistin Swisscom und ihre Konkurrenten einen erbitterten Preiswettkampf, der mitunter zu beinahe stündlichen Tarifsenkungen führt.

oli GENF. Während Marktführer Swisscom vor zwei Wochen ein Prepaid-Handy inklusive SIM-Karte mit Gesprächsguthaben für umgerechnet knapp 40 Euro beim führenden eidgenössischen Lebensmittelhändler Migros lancierte, hat Konkurrent Orange ein fast gleich zugeschnittenes Angebot bei der Nummer zwei im Schweizer Einzelhandel, bei der Coop, in die Regale gestellt. Nachdem beide Firmen am gleichen Tag ihr Angebot bekannt gegeben hatten, stellte die Swisscom fest, dass sie beim Tarif etwa 1,3 Cent pro Minute teurer war. Wenige Stunden später senkte sie den Preis für die Gesprächsminute unter die Vorgaben von Orange.

Zusätzlicher Ansporn für den Preiskampf der Telekomanbieter ist dabei, dass nicht nur sie, sondern auch die großen Einzelhändler sich in der Schweiz einen erbitterten Preiskrieg liefern. Er wurde durch die Ankündigung der deutschen Discounter Aldi und Lidl ausgelöst, noch in diesem Jahr im Nachbarland eigene Märkte zu eröffnen. Coop und Migros haben als Antwort schon mal die Zahl der Produkte, die unter ihren billigen Eigenmarken „Prix Garantie“ bei Coop bzw. M-Budget bei Migros zu haben sind, massiv erhöht.

Auch die neuesten Mobilfunkangebote werden unter diesen Billiglinien verkauft. So trägt zum Beispiel das Mobiltelefon, das die Swisscom bei der Migros anbietet, den in der Schweiz zur Kultmarke aufgestiegenen grün-weißen Aufdruck der M-Budget-Marke. Das Migros-Billiglabel erscheint auch auf dem Display des Handys.

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Der Erfolg, der vor zwei Wochen eingeführten Angebote übertrifft inzwischen alle Erwartungen. Die Swisscom teilte mit, bereits 40 000 Kunden über Migros gewonnen zu haben. Die Erwartungen für dieses Jahr wurden anschließend von 50 000 auf „eine sechsstellige Zahl" hinaufgeschraubt, wie Swisscom Mobile-Chef Carsten Schloter erklärte. Auch bei Orange ist man zufrieden. Die Nummer drei im Schweizer Mobilfunkmarkt konnte im Vergleich zum Vorjahr bei der Kundenzahl um 3,2 Prozent auf 1,15 Millionen zulegen. Der Umsatz stieg gleichzeitig um 1,4 Prozent auf 644 Mill. Franken (414 Mill. Euro). Diese Zahlen stammen noch aus der Phase vor dem neuen Prepaid-Angebot und dürften sich jetzt deutlich nach oben verschieben.

Schloter hat die M-Budget Mobile-Linie organisatorisch von Swisscom-Mobile getrennt und auf extrem einfach getrimmt. „Wenn sie das billigste Geschäftsmodell haben, kann es ihnen niemand zerstören“, sagte er. M-Budget Mobile verzichtet deswegen auf Zusatzdienste wie Combox und Bilderversand. Swisscom stellt die technische Plattform bereit, Migros ist für die Vermarktung des neuen Produkts verantwortlich. Das Vertriebssystem von Orange und Coop funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Bilder zu verschicken oder einen Anrufbeantworter einzuschalten ist allerdings kein Problem. Das CoopMobile-Angebot ist also aufwändiger - und deswegen jedenfalls bis zur nächsten Preissenkungsrunde leicht teurer.

Der Kampf um den Schweizer Mobilfunkmarkt wird deswegen so unerbittert geführt, weil zumindest für die Swisscom viel auf dem Spiel steht. Während die Nummer zwei auf dem Markt, Sunrise, eine Tochter des zum Verkauf stehenden dänischen Telekomanbieters TDC ist und die Nummer drei, Orange, zur France Telekom gehört, hat die Swisscom nach mehreren misslungenen Übernahmeversuchen nach wie vor nur den begrenzten Schweizer Markt als Basis. Die Wachstumsaussichten des Unternehmens werden deswegen von Analysten und auch von der Swisscom selbst als mager eingestuft. Dazu kommt, dass ein weiterer Swisscom-Konkurrent, die Schweizer Cablecom, im Oktober an die Börse geht. Cablecom besitzt noch kein Mobilfunknetz, soll aber am Kauf eines solchen Netzes interessiert sein. Die Aktien von Cablecom dürften damit für mehr Phantasie sorgen, als diejenigen der Swisscom, die ihren Kurs seit Jahren durch erhebliche Aktienrückkaufprogramme stützt.

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