Mobilfunknetz-Ausrüster
Ausrüster von Telekomnetzen hoffen auf China und Indien

Trotz jüngster Erfolge mahnen die Mobilfunknetz-Ausrüster zur Vorsicht: Die Konzerne befürchten einen stagnierenden Markt, weil die Telekom-Konzerne ihre Netze nicht so schnell ausbauen wie bislang erwartet. Nun sollen vor allem Indien und China die Branche vor einem verlorenen Jahr bewahren.

STOCKHOLM. Als Carl-Henric Svanberg, Chef des größten Mobilfunknetz-Ausrüsters Ericsson, Anfang des Monats die Bilanz vorlegte, konnte er sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. In Zeiten der Krise überraschte der Branchenprimus mit Zahlen, die selbst noch die kühnsten Prognosen übertrafen. Der Ericsson-Chef sprach von "einem phantastischen Jahr" für seinen Konzern. Gleichwohl kündigte er einen weiteren Abbau von rund 5 000 Arbeitsplätzen an.

Und er wusste, warum. Denn obwohl 2008 für Netzausrüster wie Ericsson und Nokia Siemens Networks besser als erwartet verlief, glauben Branchenexperten und die Unternehmen selbst, dass das laufende Jahr schwierig wird. "Wir spüren eine gewisse Unruhe bei unseren Kunden, den Telekom-Konzernen", sagte Johan Wiberg, Chef der Ericsson-Netz-Sparte.

Der schwedische Konzern rechnet wie die Konkurrenten Nokia Siemens Networks und selbst der chinesische Emporkömmling Huawei mit einem stagnierenden Markt, weil die Telekom-Konzerne ihre Netze nicht so schnell ausbauen wie bislang erwartet wurde. Viele Telekom-Konzerne sind nämlich angesichts unsicherer Konjunkturaussichten auf die Investitionsbremse getreten.

Nokia Siemens kämpft gegen rote Zahlen, und Alcatel Lucent versucht immer noch, die französisch-amerikanische Fusion zum Laufen zu bringen. Selbst Huawei aus China hat Probleme. Zwar wächst der Konzern am stärksten, doch musste er erst kürzlich wegen zu hoher Verschuldung eine Neuemission bekannt geben und Arbeitsplätze abbauen.

Dennoch ist die Branche von der Finanzkrise nicht so stark betroffen wie etwa die Handy-Hersteller. Zu den Hoffnungsträgern, dass 2009 für die Telekom-Ausrüster kein ganz verlorenes Jahr werden wird, zählen Indien und China. Die chinesische Regierung will in diesem Jahr nach großen Verzögerungen die Aufträge zum Bau von UMTS-Netzen vergeben und auch Indien will in den massiven Ausbau der Mobilfunknetze investieren. Ein Teil der Einbußen in Europa kann so kompensiert werden. Hinzu kommt, dass der Datenverkehr über die Mobilfunknetze stark zugenommen hat, ein Ausbau der Kapazitäten also irgendwann notwendig wird.

Außerdem haben die Netzausrüster ein neues, großes Ziel vor Augen: Der vierte Mobilfunkstandard 4G, der Übertragungsraten möglich macht, wie sie bislang nur vom Breitband bekannt sind.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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