Mobiltelefonbauer
Namenlose erobern den Handymarkt

Die Erfolge von Apple, RIM oder HTC sind in aller Munde. Weniger bekannt ist: Hersteller ohne Markennamen aus China und Indien besetzen schon ein Drittel des Marktes. Meist sind es einfach gehaltene Geräte, die den Produzenten Billigpreise ermöglichen.
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DÜSSELDORF. Sie sind Hunderte, sie produzieren in China, teilweise verkauft jeder nur ein paar zehntausend Handys in einem Jahr. Aber trotzdem machen die Hinterhof-Handybastler den Riesen wie Nokia, Samsung oder LG das Leben immer schwerer.

In den Statistiken der Marktforscher verstecken sie sich hinter dem unscheinbaren Begriff „Rest“, aber ihre Marktmacht steigt unaufhörlich. Im dritten Quartal 2010 haben die „White Box“-Hersteller, also Mobiltelefonbauer ohne eigenen Markennamen, international expandiert, berichtet Gartner-Analystin Carolina Milanesi. „Die White Box-Hersteller weiten ihre Aktivitäten aus China heraus in Regionen wie Russland, Indien oder Lateinamerika aus“, beobachtet sie. Der Anteil der „Anderen“, der Hersteller unterhalb der Top-Ten, ist von 16,1 Prozent im dritten Quartal 2009 auf 33 Prozent im Jahr 2010 gestiegen, getragen vom No-Name-Bereich.

Hatten die Top-Fünf der Gerätehersteller im dritten Quartal 2009 noch zusammen 83 Prozent Marktanteil, waren es 2010 nur noch 66,9 Prozent. Und der Trend ist nicht zu stoppen. Gartner-Analystin Milanesi: „Obwohl wir bereits ein enormes Wachstum gesehen haben, rechnen wir im vierten Quartal nochmals mit einem Anstieg der Verkaufsvolumen.“

Einer der neuen Wilden, von denen bald einige sogar den Sprung in die Einzelwertungen schaffen könnten, ist zum Beispiel Micromax. Der größte indische Handyhersteller betrat den Markt erst 2008 und liefert jetzt schon über 2,5 Mio. Geräte im Quartal aus.

Die Nachfrage nach einfachen Handys ist ungebrochen

Meist sind es einfache Handys, die keine 3G-Datentechnik beherrschen. „Es gibt eine robuste Nachfrage nach einfachen Geräten, und wir glauben, dass das Phänomen der stark wachsenden Namenlosen anhalten wird“, sagte Milanesi dem Handelsblatt.

Die Dramatik zeigt sich in den Marktanteilszahlen im dritten Quartal. Obwohl Nokia den Absatz von 113 Mio. auf 117 Mio. Handys im Quartal steigern konnte, fiel der Marktanteil dramatisch von 36,7 Prozent auf 28,2 Prozent. Bei Samsung wurden mit 71 Mio. Geräten rund elf Mio. mehr verkauft. Trotzdem rutschte der Marktanteil von 19,6 auf 17,2 Prozent.

Was die Lage so prekär macht: Wegen ihrer Kostenstrukturen sind die großen Marken nicht in der Lage, auf dem Billigstmarkt zu konkurrieren. Mit einer Ausnahme: Nokia. Die Finnen können sich als einzige der großen Marken in den Entwicklungsländern ein gutes Stück vom Kuchen abschneiden.

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