Möglicher Einstieg bei Pro Sieben Sat 1
Berlusconi stößt auf Skepsis

Der mögliche Einstieg des italienischen Medienkonzerns Mediaset bei der Münchener Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 stößt im Finanzmarkt auf Skepsis. In Mailänder Finanzkreisen heißt es, Mediaset, ein Unternehmen des ehemaligen italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, wolle sich durch ein nicht bindendes Angebot nur Einblick in die Bücher schaffen.

MAILAND / DÜSSELDORF. „Warum sollte Berlusconi das Unternehmen heute für 25 Euro je Aktie kaufen, wenn er damals abgewunken hat, als Saban zugegriffen hat?“, fragt ein Londoner Analyst. Der Hollywood-Milliardär Haim Saban und eine Reihe von Finanzinvestoren – darunter Hellman & Friedman, Providence und Bain – hatten vor drei Jahren gemeinsam mit anderen Investoren die Mehrheit des deutschen Senders für den spektakulär niedrigen Preis von 525 Mill. Euro übernommen. Bis Weihnachten soll der Fernsehkonzern verkauft sein, heißt es von Insidern. Ein erster Verkauf, die Sendergruppe an den Printkonzern Axel Springer („Bild“, „Welt“) scheiterten am Widerstand der Wettbewerbsbehörden Anfang diesen Jahres.

Bei der zweiten Verkaufsrunde mangelt es nicht an Interessenten. Wie Insider berichten, wollen Apax und Goldman Sachs gemeinsam bieten. Ihre Konkurrenten sind das amerikanische Private Equity Haus Kohlberg, Kravis Roberts (KKR) zusammen mit Permira. Ihnen gehört bereits der in Luxemburg notierte Fernsehkonzern SBS.

Am Wochenende zweifelten Analysten, ob für Berlusconis Medienkonzern der milliardenschwere Zukauf in Deutschland sinnvoll wäre. „Aus strategischen Gesichtspunkten würden wir eine vertikale Integration vorziehen, statt nur die Präsenz auf dem Fernsehmarkt auszuweiten“, kommentieren die Analysten von Mediobanca Securities. „Ich sehe keine Synergie-Effekte“, kritisiert auch der Rasbank-Analyst Marco Opipari. „Bei einer Gründung im Ausland könnte man Mehrwert schaffen, indem man seine eigenen Erfahrungen einbringt. Aber nicht, wenn man einfach einen anderen großen Sender kauft“, sagt er. Die meisten Analysten glauben jedoch nicht, dass der Deal zustande kommt.

Die italienische Börse nahm die Nachrichten dagegen positiv auf. Die Aktie von Mediaset stieg am Freitag um 3,26 Prozent auf 8,88 Euro. Pro Sieben Sat 1 hingegen musste leichte Verluste hinnehmen. Das Papier sank am Freitag um 0,57 Prozent auf 22,85 Euro. Am kommenden Donnerstag wird der Münchener Fernsehkonzern seine mit Spannung erwarteten Quartalszahlen vorlegen. Wie aus Branchenkreisen verlautete, zieht derzeit das Werbegeschäft für die deutschen Privatsender deutlich an.

Mit einem möglichen Angebot für Pro Sieben Sat 1 würde der bisher stark auf den Heimatmarkt fokussierte italienische Medienkonzern Mediaset seinen Fokus stärker auf Ausland richten. Bisher ist das Berlusconi-Unternehmen im Ausland nennenswert nur in Spanien mit Telecinco vertreten, wo sich die Expansion gelohnt hat: Die spanische Tochter macht schon mehr als ein Viertel des Umsatzes und rund ein Drittel des Gewinns von Mediaset aus. Ein Kauf von Pro Sieben Sat 1 würde auch das seit mehr als einem Jahr andauernde Rätseln beenden, was die Mediaset-Mutter Fininvest mit ihren rund 1,4 Mrd. Euro Cash anfangen will. Sie könnte der Tochter in Form einer Kapitalerhöhung finanziell unter die Arme greifen. In den vergangenen Monaten hatten auch Gerüchte über eine Übernahme von Endemol die Runde gemacht.

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