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Motorola-Chef Galvin tritt ab

Er hatte Differenzen mit dem Board über die Strategie. Die Suche nach einem Nachfolger läuft intern und extern.

tmo/Bloomberg/wsj NEW YORK. Der Chef des US-Handy- und Halbleiterbauers Motorola Inc. tritt zurück. Das kündigte Noch-Chairman und Chief Executive Officer Christopher Galvin am Freitag nach Börsenschluss an. Der 53-jährige Enkel des Motorola-Gründers Paul Galvin zieht damit die Konsequenz aus einem Streit mit dem Motorola-Board – einem Gremium, das vergleichbar ist mit einer Kombination aus dem deutschem Aufsichtsrat und Vorstand.

Während Christopher Galvins mehr als sechsjähriger Amtszeit verlor Motorola den Spitzenrang als weltgrößter Handybauer an den finnischen Konkurrenten Nokia – und die Aktie stürzte ab. Im zweiten Quartal dieses Jahres überholte sogar der südkoreanische Rivale Samsung den US-Konzern beim Handy- Umsatz, meldete die Technologieberatung Gartner. Nach der Rücktrittsankündigung stieg die Motorola-Aktie im nachbörslichen Handel um rund 6 %.

„Ihm scheint ein Gefühl der Dringlichkeit zu fehlen, das Manager der Konkurrenz auszeichnet“, sagte John Krause vom Vermögensverwalter Thrivent Financial for Lutherans, der 3,2 Mill. Motorola-Aktien hält. „Er repräsentierte die dritte Generation der Motorola-Familie, und das war wohl eine Generation zu viel“, fügte Krause hinzu.

Galvin führte Motorola durch eine schier endlose Reihe von Sparprogrammen. Mehr als 60 000 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Das Platzen der Internetblase sorgte für Probleme bei den umsatzstärksten Sparten: Handys und Computerchips.

Nach Milliardenverlusten führte Galvin den Konzern im dritten Quartal 2002 knapp in die Gewinnzone. Doch das reichte den Boardmitgliedern offenbar nicht. „Während ich substanzielle Ergebnisse erzielt habe, sind das Board und ich uneinig, wie das Tempo der Restrukturierung, die Unternehmensstrategie und die Fortschritte zum jetzigen Zeitpunkt zu bewerten sind“, sagte Galvin laut Pressemitteilung. „Deshalb ist es Zeit für mich, den Stab an eine neue Führung zu übergeben.“

Galvin behält seinen Posten, bis ein Nachfolger gefunden ist. Unternehmenssprecherin Jennifer Weyrauch sagte, Kandidaten würden intern und extern gesucht. Einst galt der frühere Chief Operating Officer von Motorola, Edward Breen, als heißer Nachfolgekandidat Galvins. Breen übernahm jedoch vergangenes Jahr den Chefposten beim Skandalkonzern Tyco International. Nun könnte Galvins neuer Stellvertreter, Mike Zafirovski, ihn beerben.

Der Rücktrittsankündigung gingen zwei Board-Sitzungen am Dienstag und Mittwoch voraus. Am Freitagmorgen habe Galvin dem Board seinen Rücktritt angeboten, sagte Sprecherin Weyrauch. Das Aufsichtsgremium habe dies angenommen. Allerdings sei Galvin nicht aus dem Amt gedrängt worden.

Galvin scheiterte nicht zuletzt daran, dass er das Vertrauen von Investoren und Öffentlichkeit verspielt hatte. Unter seiner Führung warnte Motorola zwischen 2000 und 2001 achtmal hintereinander, dass der Quartals- oder Jahresgewinn unter den Analystenerwartungen liegen werde. Von den 5 500 nordamerikanischen Unternehmen, die der Finanzdatendienst Thomson Financial erfasst, lieferten nur vier eine längere Reihe von Enttäuschungen.

Zuletzt hielten sich Galvin und sein Vize Zafirovski in der Öffentlichkeit zurück. In den vergangenen zwölf Monaten gaben sie kein Interview. „Es gab unter Galvin keine Fortschritte“, sagte Fondsmanager Vic Hawley vom Reed Conner & Birdwell.

Auf dem Handymarkt verpasste Motorola zuletzt den Trend zu Modellen mit eingebauter Kamera. Davon wurden laut dem Brancheninstitut In-Stat/MDR 26 Mill. Stück seit 2002 verkauft. Erst im vergangenen Monat brachte der Konzern sein erstes Bild-Handy auf den Markt – lange nach Nokia und Samsung, aber auch später als viel kleinere Rivalen wie LG Electronics und Sony-Ericsson. Der Weltmarktanteil bei Mobiltelefonen sank von 26 % (1996) auf zuletzt 14,6 %. Bei Computerchips fiel Motorola im ersten Halbjahr 2003 erstmals aus der Liste der zehn weltgrößten Hersteller heraus. So besetzt Motorola in keiner Sparte mehr eine dominierende Position.

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