Münchener Verlagsimperium will massiv Stellen abbauen
Burda will Milchstraße schlucken

Der Burda Verlag greift nach der Mehrheit an der Hamburger Verlagsgruppe Milchstraße. Der Münchener Medienriese („Focus“, „Bunte“) will noch bis Jahresende sein Vorkaufsrecht wahrnehmen, um die gesamten Anteile des italienischen Medienhauses RCS Media (Rizzoli Corriere della Sera Group) an diversen Zeitschriften der Hamburger zu übernehmen. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Milchstraße.

HAMBURG. Burda und Rizzoli halten je 50 Prozent an der Burda Rizzoli Verlagsbeteiligungen GmbH (BRV). Diese Firma ist mehrheitlich an den zum Verlag Milchstraße gehörenden Zeitschriften „TV Spielfilm“, „Fit for Fun“, „Amica“ und „Cinema“ beteiligt. Rizzoli will zudem die 75-prozentige Beteiligung an der Publikumszeitschrift „Max“ vollständig an Burda abgeben, heißt es. „Burda und Rizzoli ringen nur noch um Vertragsdetails“, sagt ein mit den Verhandlungen vertrauter Manager.

Damit zieht sich der italienische Mediengigant RCS Media nach knapp 15 Jahren aus dem Hamburger Verlagsimperium zurück. Seit mehr als zwei Jahren verhandeln die Italiener mit Hubert Burda Media, um ihre Anteile an die Münchener abzugeben. Doch der Verkauf scheiterte bislang an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Die Italiener wollen aussteigen, weil sie sich künftig auf den heimischen Markt konzentrieren wollen, heißt es. Der Streit um die Anteilsstruktur lähmt die Verlagsgruppe Milchstraße seit langem. Denn Burda ist nicht bereit, für neue Zeitschriftentitel frisches Geld in den Verlag zu pumpen. Er will damit vermeiden, dass das Unternehmen an Wert gewinnt und sich hierdurch der geplante Kauf der Rizzoli-Anteile verteuert. Doch der Verlag bekommt die Folgen zu spüren: Der Umsatz brach seit 2000 von 251 auf rund 165 Mill. Euro im vergangenen Jahr ein. Damit der Konzern nicht in die Verlustzone rutscht, wird die Zahl der Mitarbeiter im selben Zeitraum von 800 auf 490 gekappt. Die Umsatzrendite sinkt 2003 auf „ein paar Prozent“, sagt ein Verlagsmanager. Nun will Burda als neuer Mehrheitsgesellschafter den Hamburger Verlag wieder deutlich auf Gewinn trimmen. Im Gespräch ist eine Umsatzrendite von rund 15 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, wollen die Münchener die Mitarbeiterzahl drastisch senken. Im Gespräch sind 100 bis 200 Arbeitsplätze. Offen ist, ob dies über sozialverträgliche Lösungen erfolgen wird. Vor allem große Teile der Verwaltung will Burda in der Konzernzentrale nach Offenburg verlagern. Dazu gehört unter anderem die Buchhaltung. Die Redaktionen sollen hingegen im feinen Hamburger Stadtteil Pöseldorf bleiben. Verlagsgründer Dirk Manthey will hingegen unter der Ägide von Burda künftig weiter neue Objekte für die Milchstraße entwickeln, heißt es aus seinem Umfeld. Jüngstes Beispiel ist die Lifestyle-Zeitschrift „Stars“. Das Magazin soll im nächsten Jahr mit sechs Ausgaben starten, heißt es aus den Kreisen. Zudem will der gebürtige Hamburger an seiner Beteiligung von 20 Prozent bei der Lifestyle-Zeitschrift „Fit for Fun“ festhalten, um hier den umfangreichen Gastronomiebereich auszubauen. Dazu gehören unter anderem diverse „Fit–for– Fun“-Restaurants. Unklar ist hingegen, ob der einstige Shootingstar der Verlagsszene seine Schachtelbeteiligungen von jeweils 25 Prozent bei „Max“ und der Internet-Illustrierten „Tomorrow“ an den Burda-Verlag abgibt. Dies sei noch Gegenstand von Verhandlungen, die in den ersten sechs Monaten nächsten Jahres abgeschlossen sein sollen. Dirk Manthey sowie Sprecher von Burda und Rizzoli lehnten hierzu auf Anfrage eine Stellungnahme ab.

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