Mukesh Ambani
Warum Indiens reichster Mann Millionen Handys verleiht

Mukesh Ambani wirbelt den indischen Mobilfunkmarkt auf. Der reichste Mann des Subkontinents verleiht einfache Handys zum Schnäppchenpreis. Doch er könnte in die gleiche Falle tappen wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg.
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BangkokMit Superlativen geizte Mukesh Ambani nicht: Als der reichste Mann Indiens auf der Hauptversammlung seines Unternehmens Reliance Industries sein neustes Projekt vorstellte, sprach er von nichts weniger als einer Revolution. Das Leben auf dem Subkontinent würde sich grundlegend verändern, verkündete er. Das neue Handy des Tochterunternehmens, dem Mobilfunkanbieter Jio, sei eine „bisher unerreichte indische Innovation“.

Was Ambanis 25-jährige Tochter Isha auf der Bühne dann vorstellte, wirkt zunächst allerdings alles andere als spektakulär: ein ganz normales, schlichtes Handy – nicht einmal ein Smartphone mit Touchscreen. Die Funktionen, wie beispielsweise eine automatische Spracherkennung, sind keine Weltneuheiten. Trotzdem unterbrachen immer wieder laute „Jio“-Rufe des Publikums die Präsentation. Die Stimmung erinnerte an eine Keynote-Ansprache von Mark Zuckerberg. In Indien wird der 60-jährige Milliardär, der laut „Forbes“-Liste ein Vermögen 23,2 Milliarden Dollar besitzt, schon längst mit dem Facebook-Gründer verglichen.

Tatsächlich könnte es dem Mobilfunkunternehmen Jio Reliance mit dem Telefon gelingen, innerhalb eines Jahres gleich ein zweites Mal den indischen Mobilfunkmarkt aufzumischen. Denn das einfache Gerät hat zwei große Vorteile gegenüber seiner Konkurrenz im Billig-Segment: Erstens ermöglicht es den Nutzern Datentransfers in 4G-Geschwindigkeit, und zweitens ist es praktisch kostenlos. „Das Unternehmen hat mit der Einführung eines 4G-Handys den Markt erneut durcheinander gewirbelt“, heißt es in einer Analyse des indischen Finanzdienstleisters Antique Stock Broking. Der Kundenstamm werde noch schneller wachsen, als bisher erwartet worden war.

Für die Mischung aus konventionellem Handy und Smartphone müssen die Kunden ein Pfand von umgerechnet rund 20 Euro hinterlegen. Es hat Nummerntasten, einen 2,4 Zoll großes Display und enthält einen Prozessor von Qualcomm. Auch wenn es sich um kein reines Smartphone handelt, können die Nutzer damit Apps anwählen und so beispielsweise Videos ansehen. Für eine Gebühr von etwa zwei Euro monatlich können sie dann unbegrenzt im Internet surfen und telefonieren. Jede Woche sollen Jios Zulieferer rund fünf Millionen Handys produzieren. Ab September soll das Gerät ausgeliefert werden.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Ambanis Mobilfunkanbieter Jio den Markt aufschreckt. Das Unternehmen startete erst im Herbst mit einer extrem aggressiven Preispolitik, unter anderem dem günstigsten Datenplan der Welt. Innerhalb von sechs Monaten gewann der neue Anbieter mehr als 120 Millionen Kunden. Derzeit kommen laut Unternehmensangaben jede Sekunde sieben weitere Nutzer dazu.

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