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28.01.2008 
„Wall Street Journal“

Murdoch will Geld für Netzinhalte

von Hans-Peter Siebenhaar

Die amerikanische Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal" wird auch in Zukunft Geld für ihre Online-Inhalte verlangen. Somit fährt das "Wall Street Journal" weiter ein so genanntes Hybrid-Modell. Kostenlose Angebote sollen die Reichweite im Internet steigern; Exklusiv-Nachrichten, Hintergründe und Analysen sind dagegen kostenpflichtig.

KÖLN. "Die wirklichen Spezialsachen werden weiter nur über ein Online-Abonnement erhältlich sein. Und sorry, dass ich Ihnen das sage - wahrscheinlich wird dies noch viel teurer werden", erklärte der Medien-Tycoon Rupert Murdoch auf dem World Economic Forum im schweizerischen Davos. Der Medienkonzern News Corp. des australisch-amerikanischen Unternehmers hatte im Dezember des vergangenen Jahres die einflussreiche New Yorker Wirtschaftszeitung für 2,4 Mrd. Euro übernommen.

Murdoch hatte bei der Übernahme des "Wall Street Journal" angekündigt, alle Inhalte kostenlos anbieten zu wollen. Mit einem kostenlosen Online-Angebot des "Wall Street Journal" wollte der Verleger neue Lesergruppen erschließen. Aus den derzeit eine Million Bezahlkunden könnten bis zu 20 Mill. Besucher der Website weltweit werden, sagte Murdoch damals. Die ausbleibenden Abonnementseinnahmen für WSJ.com würden durch Werbeeinnahmen mehr als wettgemacht, auch wenn dies vielleicht ein Jahr dauere.

Das "Wall Street Journal" fährt nun aber weiter ein so genanntes Hybrid-Modell. Das heißt, es gibt kostenlose Angebote, um die Reichweite im Internet zu steigern. Aber die Exklusiv-Nachrichten, Hintergründe und Analysen wird es nur gegen eine monatliche Gebühr geben. Andere Blätter wie beispielsweise die angesehene Tageszeitung "New York Times" haben sich mittlerweile von ihrem Online-Abonnement verabschiedet.

Die Kehrtwende von Murdoch, beim "Wall Street Journal" nun doch an Bezahlinhalten festzuhalten, ist von großer Bedeutung für die Zeitungsbranche weltweit. Denn das traditionsreiche Wirtschaftsblatt gilt seit Jahren als Musterbeispiel dafür, das Online-Abonnements in der Zeitungsbranche wirtschaftlich erfolgreich sein können. Die Einnahmen aus den Online-Abos belaufen sich nach Unternehmensangaben auf 70 Mill. Dollar im Jahr.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Traum von bezahlten Online-Inhalten.

Dem Konzern geht es aber nicht nur um die Einnahmen aus dem Internet-Abonnement. Der exklusive Kreis von Online-Nutzern, die für Wirtschaftsinhalte zahlen, bietet Dow Jones, dem Mutterkonzern des "Wall Street Journal", auch zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten in der von der Werbewirtschaft begehrten Entscheider-Zielgruppe. Derzeit zahlen rund eine Million Leser für das Online-Abonnement des "Wall Street Journals".

Murdochs Entscheidung für Bezahlinhalte wird Folgen für die Medienbranche haben. Bislang haben fast alle Zeitungen und Zeitschriften - mit Ausnahme beispielsweise der Zeitschriften von Stiftung Warentest - sämtliche Inhalte kostenlos ins Netz gestellt. Die Folge ist, dass viele Zeitungen mit ihrem Webangebot wenig oder gar kein Geld verdienen.

Selbst Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer, träumte einst von bezahlten Online-Inhalten, im Fachjargon "Paid Content" genannt. Doch Döpfner musste schnell erkennen, dass man mit Prominenten-Nachrichten auf populären Internetseiten wie Bild.de keine Online-Abonnenten generieren kann. Diese Einschätzung gilt auch nach der Murdoch-Entscheidung. "Der Zug für Paid Content ist bereits abgefahren", hieß es gestern bei Springer. Ein Verlagshaus könne sich nicht gegen die Wünsche der Konsument stellen. "Unser Modell ist die Monetarisierung der Reichweiten unserer Internetangebote", sagte eine Springer -Sprecherin gestern. Die Online-Angebote der konzerneigenen Zeitungen wie "Welt" oder "Berliner Morgenpost" werden daher auch gratis verfügbar sein.

Auch in der Fernsehbranche stößt Murdochs Modell des "Wall Street Journal" auf Skepsis. Deutschlands größte Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 glaubt ähnlich wie Springer an die Zukunft von Gratisinhalten. "Paid Content ist im Internet ein schwieriges Thema. Fußball kann man sicher gegen Geld online verkaufen. Auch für mobil angebotenen oder über Video-on-Demand-Portale zur Verfügung gestellten Content wie Hollywood-Filme oder Special Interest-Angebote lässt sich eine Gebühr erheben. Doch dann wird es schon eng", sagte Vorstand Markus Englert dem Handelsblatt am Wochenende. Er glaubt nicht, dass Murdoch sein Bezahlmodell noch über viele Jahre aufrecht erhalten kann. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zeitungsunternehmen für ihre Inhalte auf Dauer Geld verlangen können", sagte der gelernte Physiker, der beim Münchener Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 das Internetgeschäft verantwortet.

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