Murdoch wohl fast am Ziel
Dow-Jones-Übernahme hängt an ein paar Milliönchen

Rupert Murdoch scheint nur noch wenige Schritte von der Übernahme des Wirtschaftsverlages Dow Jones entfernt. Dem Vernehmen nach ringt der Chef des Medienkonzern News Corp mit der Eigentümerfamilie Bancroft um die letzten Details des Kaufvertrages.

NEW YORK. Im Mittelpunkt stehen dabei nach einem Bericht des "Wall Street Journal" Beratungs- und Anwaltsgebühren von bis zu 30 Mill. Dollar, die News Corp. für Familienmitglieder übernehmen soll. "Wenn sie bereits über Gebühren reden, kann der Abschluss nicht mehr weit entfernt sein", hieß es an der Wall Street.

Murdoch hatte den Bancrofts eine Frist bis Montag 17 Uhr gesetzt, um sich für sein fünf Mrd. Dollar schweres Angebot zu entschieden. Bis in die Nacht hinein rangen die zerstrittenen 35 Familienmitglieder und ihre Anwälte mit sich und der Offerte. Die Bancrofts waren lange Zeit gegen einen Verkauf an Murdoch, weil sie befürchten, der Pressebaron würde das "Wall Street Journal" und andere Dow-Jones-Medien für seine politischen und geschäftlichen Interessen missbrauchen. Angesichts des wirtschaftlichen Drucks im Zeitungsgeschäfts und einer fehlenden Alternative ist jedoch ein Teil der Familie umgeschwenkt und hat sich für das Murdoch-Angebot ausgesprochen. Die Bancroft kontrollieren über Mehrfachstimmrechte etwa 64 Prozent der Stimmrechte von Dow Jones.

Nach inoffiziellen Angaben sind jetzt Familienmitglieder mit knapp 30 Prozent aller Stimmrechte von Dow Jones bereit, dem Verkauf an Murdoch zuzustimmen. Weitere 29 Prozent der außen stehenden Aktionäre gelten als sichere Befürworter des Deals. Das würde Murdoch zu einer knappen Mehrheit verhelfen. Der News-Corp-Chef will jedoch eine Sicherheitsmarge, um bei der entscheidenden Abstimmung aller Aktionäre im Herbst nicht kalt erwischt zu werden. Murdoch drohte deshalb am Montag, die Übernahme abzublasen, falls nicht weitere Familienmitglieder ihn unterstützten. Der Börsenkurs von Dow Jones sackte daraufhin um sechs Prozent ab.

Die Drohung hat ihre Wirkung offenbar nicht verfehlt. Das Management von Dow Jones will jetzt durch einen Sonderfonds für Beratungs- und Anwaltgebühren eine Zusatzzahlung für die Bancrofts erreichen und so noch einige Zweifler auf seine Seite ziehen. Hintergrund ist die Forderung eines Familientrusts in Denver, Murdoch solle sein Angebot von 60 auf 66 Dollar pro Aktien für die Besitzer der Mehrfachstimmrechte aufstocken. Der Denver-Clan hält knapp neun Prozent der Stimmrechte und würde Murdoch zum Sieg verhelfen.

Sowohl News Corp. als auch der Board von Dow Jones haben diese Vorzugsbehandlung gegenüber den außen stehenden Aktionären zunächst strikt abgelehnt. Mit Hilfe des Gebührenfonds, den Murdoch im Fall einer Übernahme erben würde, bekäme die Familie doch noch eine kleine Prämie. Zugleich könnte die Dow-Jones-Spitze argumentieren, dass es sich hierbei lediglich um einen Ersatz für Kosten handele, die andere Aktionäre nicht tragen müssten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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