Murdochs Pläne
„WSJ“ vielleicht bald umsonst im Netz

Medienmogul Rupert Murdoch hat Einblick in seine mit Spannung erwarteten Pläne für das "Wall Street Journal" gewährt. Einer seiner Pläne: Das renommierte Wall Street Journal bald kostenlos im Netz anzubieten. Der Einnahmerückgang dürfte er verschmerzen, denn sein Konzern News Corp. hatte glänzende Zahlen vorgelegt.

HB NEW YORK. Nur wenige Tage nach der Einigung auf die 5,6-Milliarden-Dollar-Übernahme des Medienkonzerns Dow Jones kündigte der 76-Jährige an, die renommierte Finanzzeitung möglicherweise bald umsonst im Internet anzubieten. Das wäre eine radikale Umkehr der bisherigen Strategie, denn bislang gehört die für Abonnenten reservierte Seite » www.wsj.com zu den erfolgreichsten gebührenpflichtigen Inhalten des gesamten Internets.

"Kurzfristig wäre es eine teure Angelegenheit", sagte der gebürtige Australier bei der Vorlage der Geschäftsbilanz seines weltumspannenden Konzerns News Corp am Mittwochabend. Langfristig könne dies jedoch die richtige Strategie sein, weil ein rasanter Anstieg der Leser die Werbeeinnahmen ankurbeln werde. Zudem dürfte Murdoch ein kurzfristiger Einnahme-Rückgang beim "Wall Street Journal" nicht allzu sehr schmerzen: News Corp fuhr allein im Frühjahr unterm Strich dank hoher Werbeeinnahmen einen Quartalsgewinn von 890 Mill. Dollar ein, knapp fünf Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Umsatz kletterte um neun Prozent auf 7,37 Mrd. Dollar.

Nach einer monatelangen Zitterpartie stimmte Murdoch vergangene Woche die Eigentümerfamilie Bancroft von Dow Jones um. Sie hatte die Übernahme durch Murdoch lange abgelehnt, da sie eine Einmischung in die redaktionelle Arbeit und einen Image-Verlust für das "Wall Street Journal" befürchtete. Murdoch eilt der Ruf voraus, im Namen hoher Auflagen keinen Wert auf Qualitätsjournalismus zu legen. Als Kostensenker und unerbittlicher Gewerkschaftsgegner ist er ohnehin bekannt.

Auch bei Dow Jones will er nun den Rotstift ansetzen und kündigte Einsparungen von deutlich mehr als 50 Mill. Dollar an. Murdoch sprach hierbei selbst von einer "harten Ankündigung", obwohl er keine Entlassungen plane. Gleichzeitig will Murdoch das Dow-Jones-Geschäft in Europa und Asien ausbauen - dies könnte etwa neue Konkurrenz für die "Financial Times" des Pearson-Verlags bedeuten. Die lokalen US-Blätter aus dem Hause Dow Jones will Murdoch womöglich verkaufen, aber alle anderen Konzernteile behalten.

Bei News Corp entwickelte sich im Frühjahr das Geschäft im Kabelfernsehen und im Bereich Satelliten-TV stark, wo News Corp jeweils deutlich mehr verdiente als vor Jahresfrist. Dagegen schwächelten die Filmstudios, wo der Gewinn um fast 50 Prozent einbrach. News Corp machte dafür unter anderem hohe Kosten für die Veröffentlichung des Films "Die Fantastischen Vier 2" verantwortlich. Zum News Corp-Imperium zählen bereits vor der Übernahme von Dow Jones etwa die Fernsehsender Fox und Sky, die Internetfirma MySpace, aber auch Zeitungen wie die britische "Times" und die "Sun".

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