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Musikbranche: Bertelsmann und KKR lassen gemeinsam singen

Bertelsmann steigt in den Markt für Musikrechte ein: Der Medienkonzern und der US-Finanzinvestor KKR gründen ein Joint-Venture für Musikrechte-Management. Damit überrascht Bertelsmann die Experten, die mit einem anderen Vorgehen gerechnet hatten.

Das Geschäft mit Musik soll Bertelsmann Gewinne einbringen. Quelle: dpa
Das Geschäft mit Musik soll Bertelsmann Gewinne einbringen. Quelle: dpa

FRANKFURT. Der Medienkonzern Bertelsmann will gemeinsam mit dem US-Finanzinvestor KKR die Musikrechtevermarktung ausbauen. An dem hierzu gegründeten Gemeinschaftsunternehmen mit Namen BMG soll Kohlberg Kravis Roberts (KKR) mit 51 Prozent die Mehrheit halten. An der Spitze wird mit Hartwig Masuch aber ein Vertreter aus dem Dunstkreis der Gütersloher stehen. Masuch führte bislang die Geschäfte der Tochter BMG Rights Management. Die Private-Equity-Branche erfindet sich wegen der Finanzkrise momentan neu und rückt immer mehr vom klassischen Modell der kreditfinanzierten Komplettübernahme von Firmen ab. KKR will das geplante Eigenkapitalinvestment von rund 250 Mio. Euro über fünf Jahre strecken und akzeptiert mit Bertelsmann einen starken Miteigentümer an Bord.

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„Die Partnerschaft mit KKR wird zu einer wesentlichen Beschleunigung der Geschäftsentwicklung von BMG beitragen, da erhebliche Investitionsmittel bereitstehen“, erklärte Bertelsmann-Finanzchef Thomas Rabe, der künftig auch dem Verwaltungsrat des Joint Ventures vorsitzen soll. „Der Markt ist fragmentiert und wartet darauf, konsolidiert zu werden“, ergänzte Philipp Freise, Director bei KKR. Der Finanzinvestor betrachte das Gemeinschaftsunternehmen als langfristiges Investment von sieben bis zehn Jahren. Die Musikindustrie leidet seit Jahren unter Internet-Piraterie und schrumpfenden CD-Verkäufen. Die Zweitverwertung bereits veröffentlichter Titel gilt hingegen nach wie vor als relativ stabiles Geschäft.

Dabei geht es etwa darum, Musik beispielsweise nochmals in Videospielen, Radio oder Fernsehen zu vermarkten. Das neue Gemeinschaftsunternehmen hält aus dem Bestand von BMG Rights Management bereits rund 300 Verträge mit Künstlern, darunter die schwedische 80-Jahre-Band A-ha oder die deutsche Gruppe 2Raumwohnung. Die Mitarbeiterzahl will das neue Unternehmen mittelfristig von 30 auf mindestens 100 verdoppeln. Im voraussichtlich fünfköpfigen Aufsichtsrat sollen neben Rabe drei Vertreter von KKR sitzen, darunter Freise sowie Europa-Chef Johannes Huth.

Für Bertelsmann ist die Zusammenarbeit mit KKR eine Kehrtwende. Vor wenigen Jahren war der Konzern noch auf dem Rückzug aus dem Musikgeschäft. 2006 hatten die Gütersloher ihren Musikverlag BMG Music Publishing für 1,63 Mrd. Euro an Universal verkauft. Bereits damals hatte KKR mitgeboten, war aber am Ende knapp unterlegen. Den Restanteil des Musik-Konzerns Sony BMG hatte Bertelsmann zudem im vergangenen Jahr an den japanischen Unterhaltungskonzern abgegeben. Bertelsmann ist bereit, bei Bedarf zusätzliches Eigenkapital in das neue Unternehmen mit KKR zu stecken.

In dem zersplitterten Markt wird seit längerem über den Verkauf des Musikarchivs der britischen EMI spekuliert, die wiederum dem Finanzinvestor Terra Firma gehört. KKR-Manager Freise wollte sich dazu nicht konkret äußern. Er unterstrich aber: „Wir sind bereits in Gesprächen mit einigen potenziellen Akquisitionszielen.“

Das klassische Private-Equity-Geschäftsmodell, Übernahmen weitgehend unter Zuhilfenahme von Krediten zu stemmen, hat angesichts der Bankenkrise momentan keine Chance. Folglich ist das Volumen neuer Deals drastisch eingebrochen. Finanzinvestoren interessieren sich mittlerweile zunehmend für Minderheitsinvestments oder Beteiligungen an börsennotierten Firmen. So stieg BC Partners erst kürzlich für 350 Mio. Dollar beim US-Unternehmen Office Depot ein. Der BMG-Deal von KKR dürfte eine der größten Private-Equity-Transaktionen seit Jahresbeginn in Europa sein.

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