Musikbranche
Hochzeitsmarsch für Live Nation und Ticketmaster

Geplante Riesen-Hochzeit in der Musikindustrie: Der weltgrößte Konzertveranstalter Live Nation will mit dem führenden Kartenverkäufer und Künstler-Manager Ticketmaster Entertainment fusionieren.

HB NEW YORK. Das Geschäft solle komplett über einen Aktientausch im Gesamtwert von 2,5 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) erfolgen, gaben die beiden US-Konzerne am Dienstag bekannt.

Angesichts der möglichen Auswirkungen auf die Branche erwarten viele Experten eine intensive Prüfung des Zusammenschlusses durch die Wettbewerbsbehörden. Der neue Gigant könnte die Gewichte in der Musikindustrie weiter verschieben und den Druck auf die klassischen Plattenfirmen massiv verstärken. Live Nation hatte unter anderem durch Mega-Deals mit Madonna und dem Rapper Jay-Z für Aufsehen gesorgt, die das Unternehmen von klassischen Musikkonzernen weglocken konnte. Ticketmaster betreut seit der Übernahme der Künstleragentur Front Line Management rund 200 bekannte Musiker wie die Eagles oder Christina Aguilera. Bislang hat das Unternehmen allerdings noch nie schwarze Zahlen schreiben können.

Für die Fusion sollen die Ticketmaster-Aktionäre für jedes eigene Papier knapp 1,4 Aktien von Live Nation bekommen. Der neue Konzern heißt Live Nation Entertainment und will durch Synergien rund 40 Millionen Dollar einsparen.

Live-Nation-Chef Michael Rapino soll auch den neuen Riesen führen. Gegen alle lautstarken Bedenken von Wettbewerbern, Künstlern und Fans versprach er unter anderem einfachere Ticketsysteme und steigende Besucherzahlen bei Konzerten. Einer der prominentesten Kritiker ist US-Rockstar Bruce Springsteen, der bereits vor einem Monopol warnte.

Der neue Gigant könnte – zumindest bei einigen Künstlern – die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren – von den Musikaufnahmen über Tourneen bis zu Fanartikeln. Die Wettbewerbshüter müssten Experten zufolge unter anderem klären, ob Live Nation Entertainment überhöhte Preise für Konzertkarten diktieren könnte.

Das traditionelle Geschäft mit dem Verkauf von Musikaufnahmen schrumpft seit Jahren, das Geld lässt sich besser mit Konzerten und Fanartikeln verdienen. So nahmen die Rolling Stones als aktuelle Rekordhalter mehr als 500 Millionen Dollar mit ihrer jüngsten Welttournee ein.

Dieser Wandel der Industrie bringt immer mehr Künstler dazu, über sogenannte „360-Grad-Deals“ nachzudenken -Verträge, die alle Aspekte von der CD bis zu Werbeartikeln abdecken. So bekommt Madonna für einen solchen Zehnjahresvertrag von Live Nation 120 Millionen Dollar.

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