Musikbranche
Michael Jacksons späte Genugtuung

Michael Jackson gelingt mit dem Tod das ultimative Comeback. Jahrelang war der einstige King of Pop nur noch eine Witzfigur. Ein Mann mit einem Plastikgesicht, ein Ex-Star, der zur Finanzierung seiner Geburtstagsparty Eintrittskarten verkaufen musste. Doch seit die Nachricht von seinem Tod die Schlagzeilen beherrscht, ist Michael Jackson wieder das, was er einst war: ein Bestseller.

HB DÜSSELDORF. Sein Herzstillstand löste einen Kaufrausch aus. Wenige Minuten nach der Todesnachricht von Michael Jackson stiegen die Verkaufszahlen seiner Lieder beim Onlinehändler Amazon um das Hundertfache. In Hollywood rissen die Passanten den Straßenhändlern jedes Poster, jedes T-Shirt mit Michael Jackson aus den Händen. Und Kaufhäuser berichten, dass ihre Kunden nicht eine oder zwei CDs des verstorbenen Pop-Idols kaufen, sondern gleich fünf oder zehn. Das seltsame Fazit der vergangenen vier Tage: Für das Gesamtkunstwerk Michael Jackson bedeutet sein Tod das ultimative Comeback.

Posthum erreicht Jackson den Erfolg, dem er zuletzt nur nachgelaufen war. Acht Jahre ist es her, dass sein Album „Invincible“ erschien – und einen Bruchteil der vorherigen Werke einspielte. Die Fans waren müde geworden von dem Star der nur noch mit bizarren Eskapaden auffiel.

Doch die Nachricht von seinem Tod hat Jackson zurück in den absoluten Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Vereinzelte CNN-Zuschauer beschwerten sich zwar, der Nachrichtensender solle gefälligst wieder über den Konflikt im Iran berichten und nicht immerzu nur über Michael Jackson. Doch die Einschaltquoten und sonstige Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Nach Angaben von Amazon verkaufte der Onlinehändler zum Wochenende innerhalb von 24 Stunden mehr Jackson-Musik als in den vergangenen elf Jahren zusammen.

Bittere Ironie: Erst nach seinem Tod gelingt Jackson der finanzielle Durchbruch, den er so bitter nötig hatte. Und: Wäre der King of Pop heute noch am Leben, hätte er sich nicht völlig verausgabt für eine Tournee, mit der er seinen Schuldenberg abtragen wollte? Die Schulden des Michael Jackson – sie sind das eigentliche Rätsel, das nach seinem Ende bleibt. Wie konnte der Mann, der in seinem Leben mehr als 750 Millionen Alben verkaufte, zuletzt auf geschätzten 500 Millionen Dollar Schulden sitzen?

2005, als Jackson zum wiederholten Mal wegen Kindesmissbrauch vor Gericht stand, trat ein Buchhalter in den Zeugenstand. Seine Aussage: Jacksons Jahresbudget für „persönliche Ausgaben“ betrug 7,5 Millionen Dollar – zuzüglich fünf Millionen Dollar für die Instandhaltung seines legendären Anwesens „Neverland“, das er 1988 für 17 Millionen Dollar kaufte und dann für geschätzte 35 Millionen Dollar mit einem Zoo, einem Freizeitpark und einem Kino ausstattete.

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