Musikfernsehgeschäft zieht nach Berlin
120 Viva-Mitarbeiter müssen gehen

Bei Viva und Viva plus werden 120 der 600 Mitarbeiter entlassen. Zudem zieht der defizitäre Musiksender nach der Übernahme durch den MTV-Betreiber Viacom zum Teil von Köln nach Berlin um.

HB DÜSSELDORF. Der Musiksender selbst werde zu MTV nach Berlin ziehen, das Unterhaltungsgeschäft von Viva Media, zu dem unter anderem die Produktionsgesellschaft Brainpool gehört, werde aber in Köln bleiben, teilte Viva am Montag mit. 120 feste Viva-Mitarbeiter werden entlassen, zudem würden die Verträge von rund 90 befristeten Mitarbeitern nicht verlängert, sagte die künftige Fernseh-Chefin von Viva und MTV, Christine Mühlemann, der Nachrichtenagentur Reuters. Von insgesamt 600 Mitarbeitern blieben rund 300 bis 350 am Rhein, in Berlin seien künftig 115 fest Angestellte beschäftigt.

Der zweite Musikkanal des Senders, Viva Plus, sowie die zu Viva gehörende Produktionsgesellschaft Brainpool würden ihren Sitz in Köln behalten. Zudem würden zwei neue MTV-Abteilungen am bisherigen Viva-Sitz angesiedelt, versprach das Unternehmen. Viva wie auch der bisherige Konkurrent MTV würden weiterhin von Köln aus senden und dort einzelne Formate produzieren.

Das Land Nordrhein-Westfalen zog nach dem Kompromiss in der Standortfrage seine Drohung zurück, Viva die Sendelizenz zu entziehen, falls das Unternehmen nach Berlin umziehen sollte. „Dieses Thema ist jetzt vom Tisch,“ sagte die für Medien zuständige Staatssekretärin Miriam Meckel Reuters. „Wir können mit dem in langen Gesprächen mit Viacom gefundenem Kompromiss gut leben. Die Musik geht nach Berlin, das Entertainment und der größte Teil der Mitarbeiter bleiben in Köln.“ Viva habe saniert werden müssen, Veränderungen seien daher unumgänglich gewesen.

Mühlemann kündigte an umfangreiche Programmänderungen bei MTV und Viva an. „Wir wollen, dass sich die Veränderungen schon im April deutlich im Programm niederschlagen,“ sagte sie. Vier Musikprogramme in Deutschland seien auf Dauer nicht überlebensfähig, daher würden sich die Formate von Viva und MTV zunehmend spezialisieren. Mühlemann leitet bisher das Fernsehgeschäft von MTV und übernimmt diese Aufgabe vom 1. März an auch bei Viva. Sie rückt damit in den Viva-Vorstand ein.

Viacom betreibt in Europa mit dem Sender MTV den bislang schärfsten Wettbewerber von Viva. Der US-Konzern, dem 98 % der Viva-Anteile gehören, will die übrigen Minderheitsaktionäre zwangsweise abfinden und die Viva Media AG vom Börsenzettel nehmen.

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