Musikindustrie: Warner verbündet sich mit den „Independents“

Musikindustrie
Warner verbündet sich mit den „Independents“

In einem überraschenden Schachzug hat sich Warner Music jetzt im wieder aufgeflammten Übernahmekampf um Emi Music den Beistand des Verbandes der unabhängigen Tonträgerunternehmen Impala gesichert. Damit scheinen die Aussichten für Warner so gut wie wohl lange nicht mehr.

NEW YORK. Der Verband will Warner bei der Übernahme unterstützen, da sich der US-Konzern im Gegenzug bereit erklärt hat, wettbewerbssichernde Maßnahmen umzusetzen und die Unabhängigen finanziell zu unterstützen.

Impala vertritt hunderte von kleinen Musikunternehmen mit einem Marktanteil von zusammen fast 30 Prozent. Der einflussreiche Verband hatte auf dem Klagewege zuletzt sogar nachträglich die Erlaubnis der Fusion der Musikriesen Sony Music und BMG gekippt und geht auch gegen den aktuellen Verkauf des BMG-Musikverlags an Unversal Music vor.

„Impala hat Warner die volle Unterstützung vor der Europäischen Union und anderen Regulierungsbehörden zugesagt“, teilten beide Unternehmen in gesonderten Mitteilungen am Dienstagabend mit. Warner wird - vorbehaltlich der erfolgreichen Übernahme des Konkurrenten - das digitale Rechtemanagement-System der Unabhängigen mit dem Projektnamen „Merlin“ finanzieren. Warner wird aber keine Beteiligung erhalten.

Außerdem wurde der Verkauf von „bestimmten Akiva“ zugesichert, um die ursprüngliche Marktmacht der „Independents“ - wie sich die Unabhängigen selber nennen - nach der Fusion wieder herzustellen. Martin Mills, Chairman von Impala: „Wir waren niemals 'Anti-Major'. Wir verstehen die Probleme der großen Firmen. Was wir verlangen ist ungehinderter Marktzutritt. Und dieses Abkommen wird uns dabei helfen. Wir hoffen, auch die Unterstützung der EU-Kommission für dieses wegweisende Lösung zu bekommen.“

Der Musikmarkt, räumt der Verband weiter ein, habe sich in der digitalem Welt geändert. Jetzt müsse man nach konstruktiven Lösungen suchen. Die Lösung stehe auch nicht im Widerspruch zum Veto gegen die Fusion von Sony Music und BMG, so Impala Präsident Patrick Zelnik. „Sony und BMG haben niemals mit uns geredet.“ Impala will noch diesen Monat die EU-Wettbewerbsbehörden über die Vereinbarungen informieren.

„Das Abkommen stellt den Rahmen für eine künftige Partnerschaft zwischen einer fusionierten Warner/Emi und den Independents dar und wird die Chancen für einen Genehmigung durch die Regulierungsbehörden steigern“, gibt sich auch Warner zuversichtlich. EMI und Warner unternahmen bereits 2000 und 2003 Anläufe für einen Zusammenschluss. Im vergangenen Jahr lieferten sie sich sogar eine monatelange gegenseitige Übernahmeschlacht. Die endete aber jäh, nachdem ein europäisches Gericht nachträglich und völlig überraschend den Zusammenschluss von Sony Music und der Bertelsmann-Tochter BMG untersagt hatte. Geklagt hatte Impala.

Die Zeit für einen neuen Versuch ist günstig für Warner: EMI ist angeschlagen wie selten, hat innerhalb von fünf Wochen zwei Gewinnwarnungen herausgeben müssen. EMI ist der weltweit drittgrößte Musikkonzern und hat unter anderem die britische Popgruppe Coldplay und den Sänger Robbie Williams unter Vertrag. Warner ist die Nummer vier in der Branche mit Stars wie Madonna und den Red Hot Chili Peppers. Der Aktienkurs von EMI nach der Mitteilung deutlich an: An der Londoner Börse kletterte die Aktie um fast acht Prozent. Die Warner-Aktie legte in New York um mehr als vier Prozent zu. Laut EMI liegen bisher keinerlei Details einer möglichen Offerte vor.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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