Musikmesse
Popkomm wegen Piraterie-Protest abgesagt

Gegen Internetpiraterie will die Musikbranche mit einem drastischen Signal protestieren: Sie lässt eine ihrer wichtigsten Messen ausfallen. Im September wird es keine Popkomm in Berlin geben. Doch hinter der Entscheidung stehen in erster Linie wirtschaftliche Probleme.

HB BERLIN. Die Berliner Musikmesse Popkomm fällt in diesem Jahr wegen zu geringer Anmeldezahlen und aus Protest gegen Internetpiraterie aus. Das sagte der Gründer und Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Dieter Gorny, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Die digitale Krise schlägt voll auf die Musikwirtschaft durch. Viele Unternehmen können es sich wegen des Diebstahls im Internet nicht mehr leisten, an der Popkomm teilzunehmen.“

Mit der ursprünglich vom 16. bis 18. September geplanten Popkomm verliert die Branche eine ihrer wichtigsten Messen. Außer der Ausstellung wurden auch der Kongress und das Musikfestival abgesagt. Gorny betonte, dies sei als Aufforderung an die Politik zu werten, mehr gegen das illegale, das Geschäft der Branche schädigende Herunterladen von Musik aus dem Internet zu tun.

Bereits im vergangenen Jahr war das Interesse an der Popkomm leicht zurückgegangen. Damals hatten 14 000 Fachbesucher (minus 1000) die Messe mit 843 Ausstellern (minus 43) besucht. Für 2009 hätte noch einmal mit 40 bis 50 Prozent weniger Fachbesuchern gerechnet werden müssen, sagte Popkomm-Direktorin Katja Gross.

Zur Rettung der Marke Popkomm sei deshalb beschlossen worden, die Messe ein Jahr auszusetzen. Im Jahr 2010 solle die Popkomm dann mit einem veränderten Gesamtkonzept neu an den Start gehen, erklärte Gross. Der Standort Berlin steht dabei laut Gorny nicht zur Disposition. Der Branchentreff ist seit 2004 in Berlin, davor war er in Köln.

Größere Musikunternehmen könnten die illegalen Downloads noch wegstecken, „die Kleinen aber nicht - und die sind mit 95 Prozent auf der Popkomm in der Mehrzahl“, erklärte Gorny im dpa-Interview. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Politik nun endlich handeln muss, um den Diebstahl geistigen Eigentums im Netz zu stoppen“, erklärte Gorny. „Wenn wir noch länger warten, stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel und die kulturelle Vielfalt geht verloren.“

Das Berliner Popkomm-Festival, bei dem im vergangenen Jahr mehr als 400 Bands und Interpreten auftraten, hatte stets tausende Musikfans angelockt. Alle Musikgenres waren vertreten: Rock, Pop, Schlager, HipHop und Metal, Reggae, Soul, Gospel und Jazz. „Es hat gar nichts mit Berlin zu tun, und auch nicht mit der Messe selbst. Wir wollen 2010 mit einer neuen und guten Popkomm in Berlin auftauchen“, sagte Gorny.

Die Popkomm hätte 2009 von den Berliner Messehallen in die Innenstadt ziehen sollen. Mit den Hallen der „STATION-Berlin“ in der Nähe des Potsdamer Platzes war ein neuer Veranstaltungsort gefunden worden.

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