Musikonzerne
Wo die Musik spielt

Der Besuch eines Klassik- oder Rockkonzerts könnte bald noch teurer werden. Mit einem als "360-Grad-Modell" bezeichneten Rundumschlag wollen die Musikkonzerne künftig stärker an allen Umsätzen mit ihren Produkten beteiligt werden. Das reicht vom Verkauf von MP3-Spielern bis hin zu Eintrittskarten und T-Shirts. Die Konzertveranstalter wehren sich.

BERLIN. "Es ist normal, dass es in Umbruchphasen Verteilungskämpfe gibt", sagt Dieter Gorny, Chef des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI). Nach sieben Jahren Talfahrt musste die deutsche Tonträgerindustrie auch 2007 Minuszahlen melden. Die Plattenfirmen verkauften laut 149 Mill. CD-Alben, nach 150 Mill. im Vorjahr. Der Umsatz lag mit 1,34 (1,38) Mrd. Euro ebenfalls leicht niedriger.

"Wir haben als erste die ?digitale Klatsche? bekommen", sagt Gorny. Der gesamte Umsatz der Tonträgerindustrie erreichte 1,65 Mrd. Euro und lag damit um drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Auf der Plusseite lag 2007 der Download-Markt mit Zuwächsen von fast 40 Prozent auf mehr als 35 Millionen Einzeltitel (Singles).

Aber noch reicht das nicht, um von einer Wende zu sprechen. Insgesamt sei der Absatz von Musik im Internet und speziell über Mobiltelefone noch enttäuschend, sagt Gorny. Denn Handys, die die heruntergeladene Musik vernünftig abspielen können, sind teuer, hinzu kommen die Kosten für den Datentransfer. Auch schnelle Internetleitungen wie etwa DSL sind in Deutschland noch nicht preiswert genug. Der Umsatz mit Klingeltönen, die vor allem bei Jugendlichen beliebt sind, fiel 2007 gegenüber dem Vorjahr um gut 17 Prozent.

Das Plus bei den Single-Downloads ging zudem voll zu Lasten der klassischen Single-CDs. Nur noch drei Prozent der gesamten Musikverkäufe sind Singles, teilte der Verband mit. Der Anteil des Digitalverkaufs beträgt inzwischen vier Prozent.

Das traditionelle Musikgeschäft reicht nicht mehr aus, um an der digitalen Zukunft zu partizipieren. Musik wird heute oft in so genannten sozialen Netzwerken im Internet und über Internetradios konsumiert, Musikdienste wie Last.fm ermitteln, was die Mitglieder hören, und schalten zu den Nutzerprofilen die passende Werbung. Musik-Videospiele wie "Guitarhero" von Activision haben innerhalb von zwei Jahren mehr als eine Mrd. Dollar Umsatz eingebracht. Diese Gelder aber fließen an den Plattenfirmen weitgehend vorbei.

In den 1,65 Mrd. Euro Gesamtumsatz der deutschen Tonträgerunternehmen ist jetzt schon ein erheblicher Brocken nicht enthalten: Zusatzeinnahmen aus Merchandising und sonstigen Geschäften, in die sich die früheren Plattenfirmen immer häufiger einmischen.

"Die Konzertveranstalter beobachten immer bizarrere Konstruktionen, mittels derer Unternehmen der Tonträgerwirtschaft derzeit an die Einnahmen der Veranstalter herankommen wollen", berichtet Rechtsanwalt Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Veranstaltungswirtschaft (IDKV). Da werde eine Beteiligung an Live-Einnahmen gefordert, obwohl die Verträge zwischen Plattenfirma und Künstler dies gar nicht vorsähen. Um sich nicht mit ihren Künstlern anlegen zu müssen, werde versucht, Preisaufschläge von zwei bis drei Euro aufs Ticket durchzusetzen, die direkt an die Plattenfirmen fließen sollen.

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