Musikplattform von Apple
Wolkige Aussichten für iTunes

Mit iTunes hat Apple die Musikbranche umgekrempelt – heute können Nutzer auf der Online-Plattform auch Filme, Apps, Spiele und Zeitungen kaufen oder leihen. Doch an seinem 10. Geburtstag sieht der Shop irgendwie alt aus.
  • 0

DüsseldorfApple feiert sich selbst: Im iTunes Store zeigt der Konzern derzeit eine Zeitleiste mit den „Meilensteinen“ seit der Eröffnung vor zehn Jahren im April 2003. Wenn er von „atemberaubenden musikalischen und technologischen Entwicklungen“ spricht, ist das nicht nur Selbstbeweihräucherung. Tatsächlich ist es Apple gelungen, mit der Musikplattform die Branche umzukrempeln und selbst zum größten Musikhändler der Welt zu werden. In der Konzernzentrale in Cupertino wird derzeit allerdings vermutlich nicht nur gefeiert, sondern auch viel gearbeitet: an einer Verjüngung.

Vor zehn Jahren machte die Musikindustrie schwere Zeiten durch. Immer mehr Nutzer saugten hunderte oder gar tausende Songs bei Tauschbörsen wie Napster und dessen Nachahmern herunter – illegal und ohne einen Cent zu zahlen. Die CD-Verkäufe brachen ein. Daran änderten auch die eigenen Online-Dienste der Labels nichts, deren komplizierte Bedienung ebenso abschreckte wie der äußerst strikte Kopierschutz. Die Branche war verzweifelt.

Was fehlte, war ein legales Napster, ein digitaler Musikladen – übersichtlich aufgebaut, mit großem Katalog und fairen Preisen. Steve Jobs erkannte die Chance. Der 2011 verstorbene Apple-Chef liebte Musik und suchte gleichzeitig nach einer Möglichkeit, den Nutzern den iPod schmackhaft zu machen. Mit Charme, Chuzpe und Verhandlungsgeschick gelang es Jobs, den Plattenbossen einen bis dato undenkbaren Lizenz-Deal abzuringen: Alle Songs im iTunes Store sollten 99 Cent kosten und auch einzeln angeboten werden.

„Kunden möchten nicht als Kriminelle behandelt werden, und die Künstler möchten nicht um die Früchte ihrer Arbeit betrogen werden“, sagte Apple-Chef Steve Jobs bei der Präsentation der Plattform, die Ende April 2003 online ging. „Der iTunes Music Store bietet eine Lösung für beide.“ Später ließ Apple flexiblere Preise zwischen 69 Cent und 1,29 Euro zu – im Gegenzug verzichteten die Labels auf den Kopierschutz.

Die Musikbranche sah iTunes zunächst als Experiment, hatte Apple im PC-Geschäft doch nur einen Marktanteil von fünf Prozent. „Wir erklärten, dass der Schaden ziemlich begrenzt wäre, wenn der Store floppt“, erinnerte sich Jobs später im Gespräch mit seinem Biografen Walter Isaacson. Doch schon bald gab es die Software auch für Windows-Rechner – der entscheidende Schritt für den durchschlagenden Erfolg. Heute hat iTunes 435 Millionen registrierte Nutzer und ist der größte Musikhändler der Welt.

Doch iTunes ist mehr als ein Online-Kaufhaus. Der Konzern veränderte damit innerhalb weniger Jahre, wie die Menschen Musik nutzen. Er förderte einerseits die Bereitschaft, für digitalisierte Inhalte Geld auszugeben. Andererseits schnürte er das Paket auf und verkaufte einzelne Lieder statt ganzer Alben.

Mangels Alternativen blieb der Musikbranche nicht viel übrig, als einen Teil ihres Geschäftes mit lukrativen CDs gegen den wenig profitablen Einzelverkauf von 99-Cent-Songs zu tauschen. So wundert es nicht, dass die Branche angesichts des Preisverfalls weiter schrumpfte. Erst 2012 machte sie erstmals nach 13 Jahren wieder ein kleines Plus und erzielte 16,5 Milliarden Dollar Umsatz - vor allem dank des digitalen Vertriebs.

Seite 1:

Wolkige Aussichten für iTunes

Seite 2:

Ein Update zum 10. Geburtstag?

Kommentare zu " Musikplattform von Apple: Wolkige Aussichten für iTunes"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%