Musikshop iTunes wird exklusiver Partner
Bei Coca-Cola spielt Apple die Musik

Der Elektronikkonzern Apple wird mit seinem Musikshop „iTunes“ exklusiver europäischer Musikpartner von Coca-Cola. Das teilten beide Unternehmen in einer gemeinsamen Mitteilung am späten Dienstag Abend mit. Apple erweitert damit seine Kundenbasis erheblich. Gleichzeitig wirft der Erfinder des Musikspielers iPod wichtige Konkurrenten aus dem Rennen.

DÜSSELDORF. In Deutschland musste Coca-Cola-Partner Musicload.de weichen, in Großbritannien Loudeye/OD2. Letztlich werden alle Musikdienste da, wo iTunes verfügbar ist, auf Apple-Basis umgestellt, sagte Chris Burggraeve, Marketingchef von Coca-Cola in Europa. Die Einführung der Webstores wird mit massivem Marketing- und Werbeaufwand begleitet werden.

Alte Kunden des „Cokefridge-Musicstore“ lernen derweil die Schattenseiten der proprietären digitalen Musikformate von Apple und Microsoft kennen. Musik von iTunes läuft nicht auf den Windows-kompatiblen Spielern, die Musicload unterstützt, und umgekehrt. In Deutschland werden Alt-Kunden auf der Webseite bereits aufgefordert, auf eine E-Mail von Musicload zu warten, um ihre Konten auf den Musikdienstleister transferieren zu können. Gesammelte „Coins“ – Treuepunkte zum Tausch in Musik – können sie dort aber nicht mehr umtauschen. Und beim neuen Store auf www.coca-cola.com/music nutzen ihnen die Punkte nur etwas, wenn sie sich einen iPod neu kaufen oder die Musik nur noch am PC hören.

Solch massiven Einschränkungen der Freiheit der Konsumenten wollte zuletzt Frankreich mit einer generellen Öffnung der Kopierschutzsysteme untereinander gesetzlich erzwingen. Dann wäre online gekaufte Musik – wie heute eine CD – auf jedem beliebigen Abspielgerät lauffähig. Der Gesetzesentwurf wurde auf Druck der Industrie jedoch wieder fallen gelassen. Der Abschluss mit dem Getränkehersteller, der seit Jahren die wertvollste Marke der Welt (67 Mrd. Dollar laut Interbrand) darstellt, kommt für Apple zur richtigen Zeit. Während iTunes in den USA mit über 83 Prozent den Musik-Downloadmarkt beherrscht, liefert sich das Unternehmen in Europa noch Kopf-an-Kopf-Rennen mit lokalen Konkurrenten wie Musicload.de. Für die ist der Verlust von Prestigekunden wie Coca-Cola ein herber Schlag.

Für die Kooperation hat aber auch Apple Zugeständnisse machen müssen. Kunden von Coca-Cola werden nicht mehr wie früher auf die iTunes-Webseite weitergeleitet, sondern finden sich in einem „echten“ Coca-Cola-Shop wieder. Nur so kann das Unternehmen langfristig wirklich den Musikdownload als eigenes Marketing-Instrument nutzen. Das macht Apples Musikshop deutlich interessanter für Drittanbieter.

Dieses „White-Labeling“ von Musikläden ist die erfolgreiche Strategie des Erzrivalen Microsoft, der so seine Technik in zahlreichen Web-Shops integrieren konnte. Nun bläst Microsoft zum Generalangriff auf Apple und wird noch in diesem Jahr ein Konkurrenzprodukt zum iPod namens „Zune“ auf den Markt bringen. Eine massive Verbreiterung der Zahl der Musikshops auf iTunes-Basis wäre eine wirkungsvolle Antwort.

Apple muss auch aus einem anderen Grund für eine möglichst große Verbreitung seiner Technik sorgen. Musikhandys sind die neuen Renner unter den Jugendlichen. Doch dieser Markt geht an dem Hersteller vorbei. Nur ein einziges Modell, das Motorola „Rokr“, beherrscht iTunes. Die Masse der Geräte setzt auf Sonys Connect-Service, Microsoft, oder „OMA“ der Open Mobile Alliance.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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