Nach Agassi-Abschied
Branchenkenner sind um SAP besorgt

Der Rücktritt von Shai Agassi von seinem Posten als Technologievorstand der SAP hat ein geteiltes Echo gefunden. Während die Analysten und Investoren relativ gelassen reagierten – die SAP-Aktie gab am Donnerstag nur leicht nach – warnen Branchenkenner vor möglichen negativen Folgen für das Image des weltweit größten Anbieters von Firmensoftware.

FRANKFURT. „Agassi war die Person, die für die Globalität einer SAP stand“, sagte Christian Glas vom Münchener Beratungsunternehmen Pierre Audoin Consultants (PAC). Agassi stammt aus Israel und lebt seit mehreren Jahren in Kalifornien. Mit dem Weggang von Agassi sei SAP „wieder ein bisschen europäischer geworden“. „Das muss nicht automatisch eine Gefahr bedeuten, kann es aber. Die Frage ist, wie SAP jetzt damit umgeht“, sagte Glas weiter.

Der als Kronprinz von Vorstandschef Henning Kagermann gehandelte Agassi war am Mittwoch zurückgetreten. Offensichtlich wollte er nach der Vertragsverlängerung Kagermanns nicht länger auf den Chefposten warten. Das SAP-Management weiß um die Bedeutung eines globalen Images. So wurde Kagermann gestern nicht müde, die Internationalität des SAP-Managements zu betonen. „Schauen Sie sich die Namen an: Wir haben ein internationales Führungsteam“, sagte er.

Dabei verwies er auf das neue „Executive Council, das an den Vorstand berichtet und aus den Managern der zweiten Ebene besteht. Mitglieder des Gremiums sind unter anderem der US-Chef Bill McDermott oder Bob Stutz, verantwortlich für Kundenmanagementsoftware. Im Vorstand ist dagegen künftig kein Ausländer mehr vertreten.

Nach Ansicht von Glas war gerade die Globalität der SAP ein gewichtiger Vorteil im Wettbewerb etwa mit dem Erzrivalen Oracle. „Oracle präsentiert sich als amerikanische Firma und versucht, Software auch in anderen Ländern so zu verkaufen, wie im Heimatmarkt. Das funktioniert häufig nur schlecht. SAP war in diesem Punkt viel internationaler und muss jetzt aufpassen, diesen Vorteil nicht zu verspielen“, warnte er.

Aber auch als technologischer Impulsgeber wird Agassi den Walldorfern nach Ansicht von Analysten fehlen. Vor allem mit Blick auf die Aufholjagd von Oracle sehen sie den Abschied mit Sorge. Er sei bei SAP der Visionär in Sachen Technik gewesen, und die Veränderungen im Vorstand würden Risiken beinhalten, urteilen die Experten von Merrill Lynch

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