Nach Anleihe
Gerüchte um Angriff von Microsoft

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft hat sich bei Investoren fast vier Mrd. Dollar geliehen und damit neue Übernahmefantasien ausgelöst. Im Visier des US-Unternehmens könnte der deutsche Software-Riese SAP stehen oder wie schon mehrfach der Internet-Konzern Yahoo, wird am Markt spekuliert.

hsn/HB REDMOND. Mit dem neuen Geld und seinen ohnehin hohen Barreserven steht Microsoft eine Kriegskasse von rund 30 Mrd. Dollar (22 Mrd. Euro) zur Verfügung. Es ist das erste Mal, dass sich der Konzern auf diese Weise Kapital bei privaten Anlegern als Anleihe besorgt.

Um Europas größten Softwarekonzern SAP kursieren immer wieder Übernahme- und Fusionsgerüchte. Auch Microsoft war schon mehrfach im Gespräch. Zuletzt wurde der IT-Gigant IBM als Interessent gehandelt. SAP-Co-Konzernchef Léo Apotheker hält sich allerdings bislang mit Kommentaren zu den Gerüchten zurück. Entscheidend sind aber letztlich die SAP-Gründer, die über einen Poolvertrag mit 28,7 Prozent die Sperrminorität halten. Sie hatten bereits früher mit Microsoft über einen Verkauf gesprochen, die Gespräche aber wegen der Integrationsprobleme abgebrochen.

Auch Microsoft-Chef Steve Ballmer bezeichnete Spekulationen über einen möglichen Kauf von SAP als willkürliches Gerücht. „Ich habe nichts zu Gerüchten über Zukäufe zu sagen, weder positiv noch negativ“, sagte Ballmer am Dienstag.

Den krisengeschüttelten Yahoo-Konzern wollte Microsoft erstmals vor gut einem Jahr übernehmen, scheiterte aber nach langem Tauziehen. Derzeit ist Microsoft-Chef Steve Ballmer zumindest noch an einer Kooperation oder Teilübernahme interessiert, um gemeinsam den Suchmaschinen-Primus Google verschärft angreifen zu können.

Viele Analysten erwarten aber statt einer teuren Übernahme eher, dass Microsoft das frische Geld zum Rückkauf eigener Aktien einsetzen will. Das könnte den zuletzt stark gefallen Kurs stützen. Der Konzern selbst nannte in einer Börsenmitteilung vom Montagabend Ortszeit als Grund der Kapitalaufnahme nur „allgemeine Unternehmenszwecke“.

Microsoft beschaffte sich über Anleihen in drei Tranchen insgesamt 3,75 Mrd. Dollar. Der Zinssatz belegt, wie gut Anleger die Lage des Konzerns einschätzen: Microsoft musste ihnen nur wenig mehr als bei sicheren Staatsanleihen versprechen. Das Unternehmen besitzt bei Ratingagenturen die Höchstnote (Triple-A) für seine Kreditwürdigkeit, was derzeit immer weniger US-Konzernen gelingt.

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