Nach Apple-Rekordquartal
Überflieger Steve Jobs watscht all seine Rivalen ab

Nach einem 70-prozentigen Gewinnsprung meldete sich Apple-Konzernchef Steve Jobs persönlich zu Wort. Ob Nokia, Samsung oder der Backberry-Erfinder Research in Motion: Kein IT-Unternehmen könne es derzeit mit Apple aufnehmen, posaunte Jobs. Nicht einmal der Erzrivale Google war vor dem Triumphzug des Apple-Machers sicher.
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DÜSSELDORF. Mit einem Rekordumsatz von mehr als 20 Mrd. Dollar und einem Nettogewinn von 4,31 Mrd. Dollar übertraf der High-Tech-Konzern aus dem kalifornischen Cupertino alle Vorhersagen der Analysten. iPhone und iPad sind mittlerweile die wichtigsten Ertragssäulen. Trotz "Antennagate" und Lieferschwierigkeiten verkaufte Apple über 14 Mio. Smartphones, 91 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, sowie 4,1 Mio. iPads. Der Absatz der Tablet-Computer lag allerdings unter den Erwartungen der Analysten von rund 5 Mio. Stück. Deshalb fiel die Aktie im nachbörslichen Handel, nachdem sie kurz zuvor allerdings auf ein neues Rekordniveau geklettert war. Vorstandschef Steve Jobs versuchte umgehend jeden Zweifel zu ersticken: "Wir haben noch einige Überraschungen für den Rest des Kalenderjahres bereit", betonte er bei der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres. Mit anderen Worten, vor dem Weihnachtsgeschäft wird es neue Produkte geben.

Jobs ließ es sich nicht nehmen, persönlich an dem Analysten-Gespräch nach der Vorlage der Zahlen teilzunehmen. Er nutzte die Chance, um eine massive Breitseite gegen den Erzrivalen Google abzufeuern und Konkurrenten wie Samsung mit seinem Galaxy Tab anzugreifen. Die Tablet-Computer mit 7-Zoll-Bildschirm, wie das Galaxy, seien “Dead on Arrival”, wie Jobs es ausdrückte - also schon tot, wenn sie auf den Markt kämen. Umfangreiche Tests hätten ergeben, dass die Nutzer mindestens einen 10-Zoll-Bildschirm wie beim iPad wollten, sagte Jobs. Ein 7-Zoll-Schirm biete in der Realität nur gerade mal 45 Prozent des iPad-Bildschirms. Wer immer auf den “7-Zoll-Zug” aufspringe, so Jobs, würde es bitter bereuen. Die US-Analysefirma Gartner hatte zuvor einen rasanten Anstieg der Tablet-PC-Verkäufe in 2011 um rund 180 Prozent auf mehr als 54 Mio. Geräte prognostiziert. Inzwischen haben mehr als 20 Hersteller Geräte angekündigt oder schon im Markt.

Für die Erfolgszahlen, die Google-Vorstandschef Eric Schmidt kürzlich verkündete, hat Jobs ebenfalls wenig übrig. Rund 200 000 Android-Smartphones würden jeden Tag neu aktiviert, hatte Schmidt bekräftigt. Das iPhone komme auf einen Schnitt von 275 000, konterte Jobs, mit Spitzentagen von 300 000 pro Tag. Google habe schon jetzt zu viele Versionen seines Betriebssystems im Markt. Auf Telefonen, die keine zwölf Monate alt seien, laufe schon ein guter Teil der Software-Apps nicht mehr. Das werde in der Zukunft zu großen Problemen führen. Dagegen übte Jobs einen seltenen Schulterschluss mit Microsoft. Die neuen Phone 7-Smartphones, die ab 21. Oktober verkauft werden, sollen ebenfalls eine normierte Software enthalten. Microsoft-Smartphone-Chef Achim Berg erklärte gegenüber dem Handelsblatt: "Jeder, der keine klaren Vorgaben macht, wird in der Zukunft Probleme bekommen.” Steve Jobs räumte allerdings ein, dass nach Gartner-Zahlen, die er für akkurat hält, Android-Geräte das iPhone im US-Markt ausgestochen hätten. Aber das solle sich im laufenden Quartal nicht wiederholen.

Praktisch für aus dem Feld geschlagen erklärte Steve Jobs den kanadischen Konkurrenten und Blackberry-Erfinder Research in Motion (RIM). “Wir haben sie locker überholt mit ihren zwölf Mio. verkauften Blackberries im Quartal, und ich sehe nicht, dass sie in absehbarer Zeit noch einmal aufholen werden”, so seine Analyse. RIM bewege sich mit gemanagten Software-Plattformen wie iTunes oder Appstore auf einem völlig ungewohnten Feld. Jobs: "Das ist ein hoher Berg, den sie da erklimmen wollen."

Beißender Spott blieb nur für Nokia: “Wir sind einfach nicht smart genug, um Smartphones für 50 Dollar zu bauen”, erklärte er mit Blick auf die durchschnittlichen Verkaufspreise der finnischen Handys. Beim iPad, so Jobs, habe Apple einen “Tiger am Schwanz erwischt." Er geht davon aus, dass diese “neue Art des Computerns” Erfolg haben werde und betonte, dass man nicht die Absicht habe, es den Konkurrenten zu leicht zu machen. “Wir werden aggressive Preise vorlegen.” Mittlerweile haben auch die großen US-Supermarkt-Ketten Wal Mart und Target sowie Best Buy, der größte Eletronikhändler Amerikas, das iPad im Weihnachtssortiment. Auch der Mobilfunker Verizon hat neben AT&T den Verkauf begonnen.

Abwärts ging es allerdings mit den iPod-Verkäufen auf nur noch 9,05 Mio., was aber angesichts der übrigen Erfolge kaum Beachtung unter Investoren fand. Die Käufer greifen offenbar lieber zu einem iPhone. Der Verkauf der Mac-Computer stieg um 27 Prozent auf 3,89 Mio. Der Cash-Flow wurde für das Quartal mit 5,7 Mrd. Dollar angegeben. Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahrs, das Weihnachtsquartal, setzt Apple jetzt eine Marke von rund 23 Mrd. Dollar beim Umsatz. Der iTunes-Onlineshop hat laut Apple erneut ein Quartal mit mehr als einer Mrd. Dollar Umsatz hinter sich. Bei den Apple-Stores wurden die Neueröffnungen in Shanghai und Peking herausgehoben. Sie hätten zum Start alles in den Schatten gestellt, was man jemals zuvor gesehen hätte, die beiden Geschäfte seien bereits die meist frequentiertesten in der Welt.

Obwohl noch längst kein Schwergewicht beim Umsatz, ist Apple mit einer Marktkapitalisierung von zuletzt mehr als 290 Mrd. Dollar inzwischen zum zweitteuersten Unternehmen der USA nach dem Energie-Giganten Exxon Mobil aufgestiegen. Ob Apple es bald schafft, den Riesen aus Houston, Texas, zu überholen? Für das laufende erste Geschäftsquartal kündigte Finanzchef Peter Oppenheimer bereits den nächsten Rekord an: einen Gewinn je Aktie von um die 4,80 Dollar.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Wenn im Nachgang zur Diskussion der Quartalszahlen der CEO auf bitten der Analysten auf einige Wettbewerber eingeht (in gewohnt selbst-/ironischer Form), dann ist das doch kein Abwatschen (und sollte auch eigentlich keine Meldung wert sein). "Abwatschen" ist Steve ballmer's (Microsoft) Umgangsweise mit Wettbewerbern - i.d.R. laut und falsch.
    Und zum Thema Umsatz: Apple macht nach den aktuellen Zahlen mehr Umsatz (p.a.) als Microsoft - also "kein Schwergewicht" ...? bitte weniger Schnellschuss Meldungen und mehr Qualitätsartikel im Handelsblatt. Danke.

  • the game is a game is a game...


  • Steve Jobs watscht weder irgendjemanden ab noch kann er hoffnungen hegen nicht abgewatscht zu werden.

    indes: was Microsoft noch vergleichsweise dezent praktiziert scheint Jobs kultivieren zu wollen: Rechteverletzungen zum Geschäftsmodell zu deklarieren.

    Dabei indes geraten chinesische Geschäftsleute, die GNU respektieren zu annehmbaren Verhandlungspartnern

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