Nach der Fusion
Alcatel-Lucent lässt Stuttgarter Standort bluten

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Von den 870 Stellen, die der frischgebackene Konzern Alcatel-Lucent in Deutschland streicht, entfällt der größte Teil auf den Standort Stuttgart. Doch das Zittern der Mitarbeiter ist immer noch nicht zu Ende.

HB NÜRNBERG/STUTTGART. Der Telekommunikations-Ausrüster Alcatel-Lucent will in Deutschland bis Ende 2008 ein knappes Fünftel seiner rund 5000 Stellen streichen. Insgesamt sollten 870 Arbeitsplätze wegfallen, teilte Unternehmenssprecherin Martina Grüger am Montag in Nürnberg mit. Am stärksten sind die Standorte Stuttgart und Nürnberg betroffen.

In Stuttgart sollen knapp 470 der 2300 Arbeitsplätze gestrichen werden. In Nürnberg müssen rund 300 der 1200 Beschäftigten mit der Kündigung rechnen. Insgesamt rund 100 Jobs fallen an kleineren Standorten wie Bonn, Neu-Isenburg, Hannover oder Berlin weg. Man werde nun in Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über eine sozialverträgliche Gestaltung des Arbeitsplatzabbaus gehen, sagte Grüger.

Mit der Übernahme des US-Konzerns Lucent durch die französische Alcatel war im November 2006 der weltgrößte Anbieter von Festnetztechnik und die Nummer zwei in der Mobilfunk- und Internettechnologie entstanden. Schon damals hatte der Konzern angekündigt, etwa zehn Prozent der weltweit knapp 80 000 Stellen zu streichen. In Bereichen wie Vertrieb, Marketing oder Buchhaltung gebe es Überlappungen, sagte die Lucent-Sprecherin. Aber auch im Portfolio seien Überschneidungen bei den optischen Netzen und den Mobilfunk- Netzen vorhanden.

Die rund 1200 Beschäftigten in Nürnberg wurden am Montagnachmittag von ihrer Geschäftsleitung informiert. Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Reynaldo Zavala ist geplant, etwa 100 Arbeitsplätze in diesem Jahr zu streichen und weitere 200 im Jahr 2008. „Die Kollegen sind total deprimiert“, sagte Zavala. Man müsse nun versuchen, rasch neue Entwicklungsaufträge nach Nürnberg zu bringen, um möglichst viele Entlassungen zu verhindern. Am Lucent-Standort Nürnberg hatte es als Folge einer weltweiten Branchenkrise vor einigen Jahren schon einmal drastische Personalkürzungen gegeben. Die Zahl der Beschäftigten war von 2400 auf 1200 halbiert worden.

In Stuttgart kündigte die IG Metall Proteste gegen den geplanten Stellenabbau an. Sobald klar sei, wo genau die Jobs gestrichen werden sollen, werde es zu Aktionen kommen, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Die Stuttgarter Belegschaft soll an diesem Dienstag über die Pläne des Unternehmens unterrichtet werden. Ein Sprecher der IG Metall Nürnberg warnte vor einem Kompetenzverlust für den Konzern, wenn hoch qualifizierte Beschäftigte gingen.

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