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Nach der Motorola-Übernahme: Microsoft will Google-Gegner ködern

Microsoft wittert seine Chance beim angekündigten Kauf der Handysparte von Motorola durch Google. Der Softwareriese positioniert sich als Alternative für alle Handyhersteller, die nun Googles Android verlassen wollen.

Microsoft-Chef Steve Ballmer während der Präsentation von Windows Phone 7. Quelle: Reuters
Microsoft-Chef Steve Ballmer während der Präsentation von Windows Phone 7. Quelle: Reuters

DüsseldorfGoogle hat seinen Zwölf-Milliarden-Euro-Deal mit Motorola kaum verkündet, da wittert der Softwaregigant Microsoft die große Chance: nämlich sein eigenes Smartphone-Betriebsystem Windows Phone 7 als die große offene Alternative zu Googles Android zu positionieren. Windows Phone 7 sei nun die einzige Plattform, die allen Partnern die gleichen Möglichkeiten gebe, sagt Andy Lees, Chef der Mobilfunksparte bei Microsoft, in einem Statement. Eine klare Kampfansage an Google - und ein Versprechen an die Handybranche.

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Mit offenen Armen will Microsoft all die Unternehmen aufnehmen, die nicht recht glauben wollen, dass Google auch nach dem Kauf von Motoroloa alle Handyhersteller gleich behandeln will. Damit zielt Microsoft auf die Achillesferse des Google-Deals ab und versucht in seiner aus der Computerwelt bekannten Rolle als Betriebssystem-Hersteller für alle zu punkten.

Googles größte Deals

  • Googels größte Deals

    Wenn Google auf Shopping-Tour geht, sind oft Milliardenbeträge im Spiel. Was steckt hinter den größten Zukäufen in der Google-Geschichte?

  • Platz 7: ITA Software

    Im Juli 2010 erwirbt Google für 700 Millionen Dollar die Softwareschmiede ITA. Das Unternehmen aus Boston wertet Fluginformationen aus und stellt seine Daten beispielsweise der Reisewebseite Expedia zur Verfügung. Das macht ITA für Google interessant. Denn für die Suche nach Flugpreisen gibt es zwar diverse Suchmaschinen, Google selbst bietet aber noch keine entsprechende Suchfunktion an.

  • Platz 6: AdMob

    Im November 2009 kauft Google für 750 Millionen Euro "AdMob". Der Name steht für "Advertising on Mobile" - und genau darauf ist die Firma aus dem kalifornischen San Mateo spezialisiert: AdMob ist eine der größten Plattformen für Werbung auf mobilen Plattformen. Die Firma wirbt damit, dass sie monatlich über 40 Milliarden Banner- und Textwerbungen auf Handys, Tablets und anderen mobilen Geräten schaltet.

  • Platz 5: AOL

    Im Dezember 2005 steigt Google bei AOL ein: Für eine Milliarde Dollar erwirbt Google fünf Prozent der Anteile des Internetanbieters - bis dato eine 100-prozentige Tochter der Time Warner Company. Doch die besten Zeiten von AOL waren da schon längst vorbei: 2009 kauft Time Warner den fünfprozentigen Anteil für schlappe 283 Millionen Dollar wieder von Google zurück, um die verlustreiche Tochter endgültig abstoßen zu können.

  • Platz 4: dMarc Broadcasting

    Im Januar 2006 steht dMarc Broadcasting auf der Einkaufsliste von Google: Insgesamt 1,2 Milliarden Dollar lässt sich Google den Erwerb des Unternehmens kosten. DMarc ist spezialisiert auf das Werbegeschäft im Radio: Über eine automatisierte Plattform werden Werbespots an amerikanische Hörfunkstationen verteilt. Google will sich damit einen neuen Distributionskanal für seine Werbeplattform "AdWords" erschließen.

  • Platz 3: YouTube

    Im September 2006 kauft Google für 1,8 Milliarden Dollar die Videoplattform Youtube. Auch hier wittert Google einen klickträchtigen Verbreitungskanal für seine Werbung. Wer ein Video auf der Webseite betrachtet, bekommt fortan Anzeigen von Google präsentiert.

  • Platz 2: DoubleClick

    Im Jahr 2007 sticht Google den Erzrivalen Microsoft im Bieterwettkampf um die Firma DoubleClick aus. DoubleClick schaltet grafische Werbeanzeigen auf Webseiten und pflegt exzellente Beziehungen zu finanzstarken Werbekunden. Das macht das Unternehmen für Google so begehrenswert, dass der Internetriese 3,1 Milliarden Dollar dafür auf den Tisch legt.

  • Platz 1: Motorola

    Dieser Deal stellt alle bisherigen Google-Einkäufe in den Schatten: Für die Mobilfunksparte von Motorola bezahlt Google 12,5 Milliarden Dollar.

Offiziell ist in der schönen grünen Android-Welt auch am Tag nach der angekündigten Übernahme noch alles in Ordnung. Offiziell ist es kein Problem, dass Android-Erfinder Google die Mobilfunksparte von Motorola übernehmen will. Offiziell wollen all die anderen Handybauer wie Samsung oder HTC Googles Smartphone-Betriebssystem trotzdem weiter die Stange halten. Doch Experten wie Michael Gartenberg kaufen das den Unternehmen nicht ab.

“Das ist ihr Alptraum-Szenario”, sagt der renommierte Telekom-Spezialist des Marktforschungsinstitutes Gartner im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Google ist von einem Partner zum Wettbewerber geworden.” Und da lässt sich Gartenberg auch dadurch nicht beirren, dass Google-Chef Larry Page betont, Google bleibe dem Erfolg des gesamten “Ökosystems” verpflichtet. Da helfen auch offizielle Statements von HTC, Samsung, Sony Ericsson Mobile Communications und LG Electronics nichts, die unisono den angekündigten Google-Motorola-Deal begrüßen.

Google

“Sie tun jetzt so, als ob sie alle eine große glückliche Familie wären”, sagt denn auch Ashok Kumar, Analyst von Roadman & Renshaw, zu Bloomberg. “Aber die Wirklichkeit wird ganz anders aussehen, sobald Motorola erst einmal eine bevorzugte Stellung inne hat.” Und dabei, so Kumar, sei es völlig unerheblich, ob dies tatsächlich der Fall sei oder sich die Konkurrenz dies nur einbilde.  Das Ergebnis ist für Analysten am Ende dasselbe. “Egal, wie Google das auch dreht und wendet, sie werden alle miteinander im Wettbewerb stehen.”

  • 18.08.2011, 15:26 Uhrujf99

    "Apples Versuch, andere Computerbauer vom Mac zum überzeugen", sei gescheitert, schreibt das HB. Ohne Kontext kapiert das kein Mensch. Das ist rund 20 Jahre her, es war in der Zeit, als Steve Jobs draußen war. Das damalige Management hat noch mehr nicht auf die Reihe gekriegt. Heute ist es ganz anders: Würde Apple das Betriebssystem lose verkaufen, wäre es ein Verkaufsschlager. Apple verkauft aber aus verständlichen Gründen gerne eigene Hardware dazu. Der USP dieser Produkte ist weniger das schicke Design. Es ist vor allem der Umstand, dass MacOS darauf legal funktioniert.

  • 18.08.2011, 02:48 UhrAnonymer Benutzer: Nachdenken

    Wenn die Android-Hersteller das gewollt hätten, hätten sie es längst gemacht. Von Google wegen Motorola zu Microsoft wechseln, die NOKIA schon offiziell eine herausgehobene Stellung bei Windows-Smartphones zugesichert haben? Also bitte! Was soll das? Außerdem haben Samsung und HTC längst Microsoft-Modelle nebenherlaufen.

  • 17.08.2011, 16:02 UhrAnonymer Benutzer: MeeGo

    Diese Analyse ist Quatsch. Google hat bereits vorher schon unter eigenem Label Android-Geräte produziert, nur damals kam die Hardware in Lizenz von HTC. Google MUSSTE einen Patentpool kaufen, um sich gegen Angriffe auf Android zu wehren - und Motorola war da wohl das bessere Geschäft als der Nortel-Patentpool. Im Übrigen hat doch vor allem Microsoft das Problem der Firmenbindung. Das eigene System ist bisher am Markt nicht akzeptiert, und durch die enge Zusammenarbeit mit Nokia,die wohl auf den baldigen Aufkauf von Nokia durch Microsoft hinauslaufen wird, hat steht das Windows Phone deutlich weiter im Abseits als Android - zumal Android quelloffen ist und von Herstellern und Communities beliebig angepasst werden kann. Verlierer in dem Google/Motorola-Deal ist ganz eindeutig Microsoft, da jetzt das Druckmittel der Patente zwischen den einzelnen Konzernen ausgeglichen verteilt ist. Nokia ist allerdings weiterhin massiv unterbewertet - eine Patentschatztruhe mit einem mächtigen Kartendienst und etablierten Geräten sowie einem Betriebssystem (MeeGo), dass den Markt in Begeisterung versetzt hat und mit Vorschußlorbeeren überhäuft wird - und ein idealer Übernahmekandidat. Microsoft muß eigentlich zugreifen, da Nokia der letzte verbliebene Hardwarepartner von Microsoft ist, der auch tatsächlich noch in die Entwicklung neuer Hardware investiert. Aber selbst nach der Übernahme von Nokia wird Windows Phone am Markt seine Schwierigkeiten haben, es ist schließlich weder innovativ noch besitzt es irgend einen Lifestyle-Factor wie die Apple-Geräte, und das Policy-Management für den Business-Bereich, dass in Windows Mobile 6.5 noch hervorragend gelöst war, ist in Windows Phone 7 nicht mehr verfügbar.
    Meine Prognose als Marktbeobachter: Microsoft wird Nokia kaufen müssen, um sich überhaupt noch am Markt zu halten, wird aber langfristig kein eigenes "Ökosystem" etablieren können, da sämtliche Nischen, die WP7 eventuell besetzen könnte, bereits durch andere Anbieter belegt sind.

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