Nach einem Jahr im Amt
„Noch steht es 0:0“

In seinem ersten Jahr als Telekom-Chef hat René Obermann den Krisenkonzern beruhigt. Ob er den rosa Riesen auch in die Zukunft führen kann, muss er erst noch beweisen.

BERLIN. Da war er wieder, dieser lästige Versprecher. Beim parlamentarischen Abend der Telekom in Berlin vor gut zwei Wochen deutete René Obermann ungewollt seinen Rücktritt an – abermals. Es war ein Goethe-Zitat, das dem Telekom-Chef verrutschte. „Meine Damen und Herren, es ist gelegentlich wichtig zurückzutreten“, sagte Obermann, hielt kurz inne und korrigierte sich flugs, „einen Schritt zurückzutreten, um das Getane zu betrachten und zu prüfen.“

Schon beim Neujahrsempfang des Konzerns in Berlin hatte er den Saal erheitert, als er seiner Hoffnung Ausdruck gab, seine Gäste auch im kommenden Jahr wiederzusehen. Kurz nach dem erzwungenen Abtritt seines Vorgängers Kai-Uwe Ricke klang das in den Ohren der anwesenden Polit-Prominenz wie die Bitte, selbst lange genug amtieren zu dürfen, um die Gäste auch zum Jahresbeginn 2008 wieder begrüßen zu können.

Solche Berliner Doppeldeutigkeiten sind pikant. Schließlich setzte der Bund, mit 32 Prozent immer noch größter Telekom-Aktionär, Obermanns Vorgängern Ricke und Ron Sommer einst unsanft den Stuhl vor die Tür. Obermann weiß genau, wie wichtig ein gutes Verhältnis zur Politik für den Vorstandsvorsitzenden der Telekom ist. Nämlich überlebenswichtig.

Deshalb hegt er seine Hauptstadt-Kontakte und hat sich sogar in Prenzlauer Berg eine Wohnung genommen. Hintergrund dafür ist aber offenbar nicht allein seine Beziehung zu Finanzminister Peer Steinbrück, dem Herrn über die 1,4 Milliarden bundeseigenen T-Aktien. In der Boulevardpresse plauderte Obermann diese Woche über seine neue Liebe zur Fernsehmoderatorin Maybrit Illner – und auch die wohnt in Berlin.

Kommende Woche ist René Obermann ein Jahr im Amt. Seine Zeit an der Spitze eines der größten deutschen Konzerne ist etwas weniger schillernd verlaufen als sein Privatleben. In der Bonner Konzernzentrale hat sich der Telekom-Chef grundsolide gezeigt: Er verkaufte, was nicht zum Kerngeschäft gehört, und er kaufte, was international Synergien verspricht. Er senkte die Personalkosten und straffte die internen Strukturen. „Obermann hat den Konzern stabilisiert“, sagt Fondsmanager Andreas Mark von Union Investment.

Ein glatter Durchmarsch war das T-Chef-Debüt des 44-Jährigen dennoch nicht. Beim größten Projekt – der Partnersuche für die angeschlagene Geschäftskundentochter T-Systems – musste Obermann eine Kehrtwende vollziehen. Auch die T-Aktie tritt an der Börse auf der Stelle.

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