Nach Gewinnwarnung
Siemens beschleunigt Umbau der Verkehrstechnik

Der Elektrokonzern Siemens will die Probleme in seiner Verkehrstechnik-Sparte möglichst rasch in den Griff bekommen. Dazu sind auch weitere Produktionsauslagerungen geplant.

HB LONDON/MÜNCHEN. "Wir brauchen ein gesundes Mischungsverhältnis zwischen eigener Fertigung und Outsourcing", sagte Siemens-Industrievorstand Heinrich Hiesinger am Dienstag in London. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den deutschen Arbeitnehmervertretern. "Wir werden versuchen, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen", betonte Hiesinger.

"Wir haben momentan den Vorteil, dass wir in einem gesunden Markt sanieren", erklärte er. Sobald die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen sind, solle der Umbau starten. "Wir reden von Monaten, nicht von Quartalen", sagte Hiesinger. Bis kommenden Monat solle auch Klarheit darüber herrschen, ob mit weiteren Belastungen aus fehlgeschlagenen Projekten zu rechnen sei. Der Umbau der Verkehrstechnik, die im neuen Konzerngefüge Mobility heißt, sei aber bereits beschlossene Sache. Hiesinger zufolge kann es dabei auch zu "Kapazitätsanpassungen" kommen. Details nannte er nicht.

Vor allem andauernde Reparaturarbeiten an der Straßenbahn Combino wegen Fehlkonstruktion hatten der Verkehrstechnik im zweiten Geschäftsquartal einen operativen Verlust von 153 Mill. Euro beschert. Auch in anderen Geschäftsfeldern hatte der Konzern problematische Großprojekte ausfindig gemacht und deshalb im März seine Gewinnerwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2007/08 (30. September) gesenkt. Das sorgte für einen Schock an den Börsen. Im zweiten Geschäftsquartal drückten entsprechende Wertberichtigungen und Rückstellungen mit 857 Mill. Euro auf das Konzernergebnis.

Bis zum Abschluss seiner internen Überprüfung von Großprojekten erwartet der Konzern keine bösen Überraschungen mehr. Große Auswirkungen auf das Ergebnis werde es nicht geben, wahrscheinlich nur kleinere Anpassungen, sagte Vorstandschef Peter Löscher am Dienstag in London. Die Überprüfung der Altlasten im Kraftwerksbau, in der Zugsparte und im IT-Segment soll bis zum Ende des dritten Geschäftsquartals am 30. Juni abgeschlossen werden. Analysten hatten nach der Ankündigung im Frühjahr befürchtet, dass das Großreinemachen für noch mehr Einbußen sorgen könnte.

Im Gegensatz zu den anderen Feldern hatte der Konzern bei der Verkehrstechnik zunächst noch kein abschließendes Fazit gezogen. Es gebe derzeit "keinen neuen Stand" gegenüber der Halbjahresbilanz Ende April, beruhigte Hiesinger jetzt. Bis Ende Juli, wenn Siemens Rechenschaft über das dritte Geschäftsquartal ablegt, will er auch das verbliebene Viertel der Verkehrstechnik-Aufträge auf Risiken durchforstet haben. Konzernchef Peter Löscher sagte, es könne allenfalls noch "kleinere Berichtigungen" geben.

Statt auf der ganzen Welt "Aufträgen hinterherzujagen", werde sich die Sparte künftig auf "eine überschaubare Anzahl an Märkten" konzentrieren, kündigte Hiesinger an. Das habe auch den Vorteil, dass die Schienenfahrzeuge sich dann standardisieren ließen, statt jedes Mal eine teure und risikoreiche Neuentwicklung für die Begebenheiten vor Ort anzustoßen.

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