Nach Handys bleiben weitere Problemsparten
Hintergrund: Die Siemens-Baustellen

Nach der Trennung von der defizitären Handysparte stehen bei Siemens möglicherweise weitere Änderungen an. Denn der Mobilfunk ist nicht die einzige Baustelle des Konzerns: Analysten verweisen vor allem auf Probleme beim IT-Dienstleister SBS, in der Kommunikationssparte Siemens Com sowie in der Verkehrstechnik.

MÜNCHEN. Vorstandschef Klaus Kleinfeld muss auch für diese Sparten eine schnelle Lösung finden. Angesichts des harten Schnitts bei den Handys geht bei der Siemens-Belegschaft nun die Angst um, dass der Fall Schule machen könnte. „Es wäre Wahnsinn, wenn das Modellcharakter hätte“, sagt Michael Leppek von der IG Metall.

Kleinfeld hatte angekündigt, dass das Mobiltelefongeschäft mit einer Mitgift von 350 Mill. Euro an den Benq-Konzern aus Taiwan abgegeben wird. Die Taiwaner dürfen darüber hinaus den wertvollen Markennamen „Siemens“ weiter benutzen. Die Börse feierte die Scheidung – die Aktie stieg auf den höchsten Stand des Jahres.

Die Belegschaft fürchtet nun einen harten Schnitt auch bei anderen Siemens-Bereichen, die Verluste machen oder die Renditevorgaben nicht erreichen. „Da steht eine Firmenkultur auf dem Spiel“, sagt Gewerkschafter Leppek. Kleinfelds Vorgänger Heinrich von Pierer hatte immer auf einvernehmliche Lösungen hingearbeitet und die Sicherung von Arbeitsplätzen angestrebt. So wurden in seiner Amtszeit die Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu-Siemens (Computer) oder Framatome (Kernkraft) gegründet. Infineon und Epcos gingen an die Börse. Eine plötzliche Trennung von einer großen Sparte ohne Arbeitsplatz-Garantien gab es bisher nicht.

Als gefährdet gilt vor allem der hochdefizitäre IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS). „Die Probleme bei SBS sind ähnlich groß wie bei den Handys“, sagt ein Konzerninsider. Die Sparte machte alleine im abgelaufenen Quartal ein Minus von 129 Mill. Euro. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 4,7 Mrd. Euro – so viel wie die Handy-Sparte. Eine Lösung für SBS habe „hohe Priorität“, sagte eine Sprecherin.

Intern räumen Siemens-Manager ein, dass SBS in der Vergangenheit viele zu viele Aufträge herein geholt habe, die sich nicht gerechnet hätten. Hohe Abschreibungen, etwa auf ein Outsourcing-Projekt in Großbritannien waren die Folge, weitere Belastungen könnten folgen. „Für diese Sparte sucht Siemens anscheinend ebenfalls einen Partner oder Käufer“, spekulieren die Analysten der Hypo-Vereinsbank. Kleinfeld hatte zuletzt einen Verkauf nicht ausgeschlossen.

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