Nach Hetze bei Pegida
Bertelsmann macht Schluss mit Akif Pirincci

Der deutsch-türkische Autor Akif Pirincci hetzte bei Pegida so heftig, dass die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt. Nun nimmt Bertelsmann seine belletristischen Bücher wie den Katzenkrimi „Felidae“ aus dem Programm.

HamburgEs ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann das Zitat der Zeitschrift „Allegra“ verschwindet: „Akif Pirincci ist so etwas wie der deutsche Stephen King“, steht noch auf der Website des Heyne Verlags, der zur Buchgruppe Random House gehört, die wiederum Teil des Medienkonzerns Bertelsmann ist.

Denn der Schriftsteller ist bei Random House seit diesem Dienstag Persona non grata. In einer Presseerklärung teilt die Buchgruppe mit, dass sie die „bereits vor Jahren veröffentlichten, ausschließlich belletristischen Bücher von Akif Pirincci umgehend gesperrt“ habe und nicht mehr anbieten werde.

Der Zusatz „belletristisch“ ist notwendig. Der Besteller-Autor wurde durch den Katzenkrimi „Felidae“ berühmt, der zu den sechs Titeln aus seiner Feder gehört, die Random House bisher verlegte. Seit einigen Jahren schreibt er auch Sachbücher, in denen er bevorzugt gegen Schwule, Migranten und Frauen hetzt. Das tut er auch in zahlreichen Kommentaren rechter Publikationen. Wegen seiner Hassreden sperrte ihn das in dieser Hinsicht nicht gerade besonders strenge soziale Netzwerk Facebook für 30 Tage.

Doch was sich Pirincci bei seinem Auftritt bei der Pegida-Demonstration am Montagabend in Dresden leistete, ist auch für seine Verhältnisse heftig. In seinem Blog hatte er zuvor „einen hübschen Text“ angekündigt, „der in Sachen Wutrede in diesem Lande Maßstäbe setzen wird“. Seine Ausführungen über ihm missliebige Politiker gipfelten in dem Satz: „Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZ sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Deswegen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Dresden wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Pirincci.

Die gesamte Rede war durchsetzt von verbalen Ausfällen und Anfeindungen. So sprach Pirincci von einer „Moslem-Müllhalde“ in Deutschland, warnte vor einer „Umvolkung“, bezeichnete die Flüchtlinge als „Invasoren“ und nannte Politiker „Gauleiter gegen das eigene Volk“. Zumindest von einem Teil der etwa 20.000 Teilnehmer der Pegida-Kundgebung bekam er Applaus.

Random House hat die Rede „mit Bestürzung und Unverständnis“ zur Kenntnis genommen, wie es in der Presseerklärung der Buchgruppe heißt. Sie stehe den „Werten“, die das Haus vertritt „diametral entgegen“. Deshalb hat es die Zusammenarbeit mit ihm beendet. Dass Pirincci nun Schadensersatzsprüche geltend macht, glaubt Random-House-Justiziar Rainer Dresen nicht. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Autor sei seinem Haus schlicht nicht mehr zuzumuten: „Und Unzumutbarkeit ist ein Grund für eine außerordentliche Kündigung.“

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