Nach jahrezehntelanger Abschottung
Medienkonzerne entdecken Indien

Dow Jones , Pearson und Haymarket wollen in neuem Wachstumsmarkt Fuß fassen.

olm NEU DELHI. Internationale Medienkonzerne entdecken Indien als Wachstumsmarkt. Jetzt kommt die erste lokale Ausgabe einer internationalen Zeitung: Der US-Konzern Dow Jones will seine Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ in Indien herausbringen.

Der indische Medienmarkt war Jahrzehnte lang abgeschottet. Erst 2002 hat die Regierung die Gesetze gelockert: Ausländer dürfen sich seither mit bis zu 26 % an indischen Medienfirmen beteiligen – eine Reihe großer Verlage wie Pearson und Haymarket haben diese Möglichkeit bereits genutzt, jetzt folgt der US-Verlag Dow Jones.

Der indische Ableger der weltweit erfolgreichsten Wirtschaftszeitung Wall Street Journal wird von einem Joint-Venture produziert, an dem Dow Jones die erlaubten 26 % hält. Der Rest gehört Indiens führendem Medienhaus Bennet, Coleman & Co. Der Konzern publiziert die „Times of India“ – mit zwei Millionen Exemplaren größte englischsprachige Tageszeitung der Welt – und größte Wirtschaftszeitung des Landes, die „Economic Times“. Dow Jones publiziert bisher internationale Ausgaben des Wall Street Journal für Lateinamerika und Asien sowie das „Wall Street Journal Europe“, an dem das Handelsblatt beteiligt ist.

Der britische Verlag Pearson hat sich im vergangenen Jahr als erster internationaler Verlag in eine indische Zeitung eingekauft: Für rund 3 Mill. $ übernahm der Herausgeber der „Financial Times“ 14 % am „Business Standard“. Die australische AMP Gruppe stieg mit 20 % bei der „Hindustan Times“ ein und zahlte dafür umgerechnet 27 Mill. Euro. Für den Medienunternehmer Rupert Murdoch ist Indien der größte und profitabelste Markt in Asien: 2003 ging er mit dem Nachrichtenkanal „Star News“ auf Sendung, an dem seine News Corp. 26 % hält.

Großes Interesse wecken im Printbereich vor allem Lifestyle- und Wissenschaftsmagazine. In diesem Segment sind vor zwei Wochen alle Investitionsgrenzen gefallen. „Jetzt braucht niemand mehr einen Partner oder Strohmann“, sagt ein Branchenkenner. Eine Reihe deutscher Großverlage suchten schon nach Möglichkeiten, Fuß zu fassen. Vorreiter ist Großbritanniens größter privater Verlag, Haymarket. Er kaufte 50 % am Automagazin „Autocar India“. Interesse zeigt auch die BBC. Die Briten streben eine Mehrheitsbeteiligung an der Magazinsparte von Bennet Coleman.

„Wir machen in diesem Markt einfach sehr gutes Geld, viel mehr als in China“, begründet die Managerin eines der weltweit führenden Medienkonzerne das Interesse an Indien. Im vorigen Quartal wuchs die Wirtschaft des Landes mit 8,4 %, und ein Konsumboom hilft der Werbewirtschaft.

In den Metropolen Bombay und Neu Delhi liefern sich die einheimischen Verlage allerdings einen mörderischen Zeitungskrieg. Mit ausländischen Kapital und internationalen Formaten wie dem „Wall Street Journal“ wollen sie nun neue Leserschichten erschließen. „Wir werden uns in Indien einen eigenen Markt schaffen“, sagt der designierte Chefredakteur der neuen Ausgabe, Suman Dubey. Die Zeitung wende sich an eine neue Generation global denkender und investierender Inder. Mit der stärkeren Präsenz vor Ort will Dow Jones gleichzeitig dem wachsenden internationalen Interesse an dem Land gerecht werden.

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