Nach Millionen-Verkauf
Blogger klagen gegen Huffington Post

Die Huffington Post ging für einen dreistelligen Millionenbetrag an AOL. Die Blogger, die das Portal zu frühen Zeiten gratis mit Inhalt versorgten, verlangen nun ihren Anteil - und klagen vor Gericht.
  • 0

San Francisco/Frankfurt Der politische Aktivist und Publizist Jonathan Tasini verklagt die liberale Vorzeige-Onlinezeitung Huffington Post auf 105 Millionen Dollar Schadensersatz. Die Betreiber hätten die Schreiber über die wahren Gewinnerzielungsabsichten der Seite getäuscht – nur deswegen hätten Tausende Schreiber jahrelang unbezahlt zum Erfolg der Webzeitung beigetragen, sagt er. Das ist nun vorbei.

Die 315 Millionen Dollar, die die Gründerin der Huffington Post, Arianna Huffington, Anfang des Jahres aus dem überraschenden Verkauf der Netzzeitung an den Internetkonzern AOL erhalten hat, solle unter den Schreibern aufgeteilt werden, fordert der Publizist Tasini. Bis dahin ruft er alle Schreiber zum Boykott auf.

Für den AOL-Konzern, der auf hohe Werbeeinnahmen über die Seite hofft und die Huffington-Inhalte weiter vermarkten will, wäre das ein Desaster. Ein Sprecher der Post bezeichnet die Klage als haltlos. Den Bloggern sei niemals eine Bezahlung versprochen worden. Aber Tasini fühlt sich sicher. 2001 hat er bereits die „New York Times“ in die Knie gezwungen und Geld für freie Autoren erstritten. Bekäme Tasini auch jetzt Recht, könnte das gravierende Auswirkungen für solche Internetunternehmen haben, die maßgeblich auf Inhalten beruhen, die ihre Nutzer kostenlos einstellen, zum Beispiel Webseiten für Restaurantkritiken.

„Unerbittlicher Klassenkampf“

Der Gewerkschafter, der selbst mehr als 200 Beiträge für die Huffington Post geschrieben hat, spart nicht mit Anklagen: „Wir leben in einem unerbittlichen Klassenkampf“, schreibt Tasini in seinem Blog, „und das größte Schlachtfeld ist der Arbeitsplatz.“ Arianna Huffington sei noch schlimmer als die Chefs von traditionellen Niedriglohnfirmen, die zumindest „ein wenig“ zahlen würden. Stattdessen reklamiere sie alle Gewinne für sich. Und die Anschuldigungen gehen noch weiter: Den Autoren sei „Reichweite“, also Bekanntheit im Web und viele Leser, versprochen worden, was angeblich ihren Marktwert hätte steigern sollen. Die entsprechenden Belege, konkrete Abrufzahlen von Artikeln und Ähnliches, sei man aber immer schuldig geblieben. Deshalb müsste vom Verkaufserlös rund ein Drittel unter den gut 9000 Bloggern aufgeteilt werden.

Seite 1:

Blogger klagen gegen Huffington Post

Seite 2:

Kommentare zu " Nach Millionen-Verkauf: Blogger klagen gegen Huffington Post"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%