Nach Pierer-Rücktritt
Aufsichtsrat sucht Kleinfeld-Nachfolger

Wenige Tage nach dem Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden von Pierer beschäftigt sich das Kontrollorgan des Siemens-Konzerns mit einer weiteren Top-Personalie. Der Vertrag von Vorstandschef Klaus Kleinfeld wird möglicherweise nicht mehr verlängert. Der Wunschnachfolger hat aber abgesagt.

mab/HB MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Wenn sich der Siemens-Aufsichtsrat am Mittwoch trifft, wird es um eine wichtige Personalfrage gehen. Man werde alles tun, um die Kleinfeld-Nachfolge zu klären, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Wunschkandidat Wolfgang Reitzle will den Vorstandsvorsitz bei Siemens jedoch nicht übernehmen: Nach Handelsblatt-Informationen hat der Linde-Chef abgesagt.

Zwei mit dem Vorgang vertraute Personen erklärten, der designierte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann hätten sich am Sonnabendabend in Berlin mit Reitzle zum Abendessen getroffen und ihm die Kleinfeld-Nachfolge angetragen. Reizle habe um Bedenkzeit gebeten und am Montagabend schließlich abgesagt.

Damit steht der Aufsichtsrat von Siemens vor der Sitzung am morgigen Mittag mit leeren Händen da. Wie es heißt, will man Kleinfelds Vertrag keinesfalls verlängern. Andererseits habe man keinen Nachfolger, den man präsentieren könne. Ein Scherbenhaufen.

Reitzle war nach Informationen des Handelsblattes sowohl für den stellvertretenden Siemens-Aufsichtsratschef Ackermann als auch für Cromme der Wunschkandidat. Er sei in München dank seiner Zeit bei BMW bestens vernetzt und besitze menschlich wie fachlich das Format, Deutschlands größten Technologiekonzern zu führen, hieß es weiter. Die Arbeitnehmerseite sei in der Frage noch unentschlossen, hieß es von der IG Metall.

Die Entscheidung gegen Kleinfeld und für Reitzle sei von Ackermann, der nach dem Pierer-Rücktritt im „Driver Seat“ sitze, unter enger Einbeziehung von Cromme gefällt worden. Hintergrund sei der Konflikt zwischen ihm und seinem Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer gewesen. „Kleinfeld hat sich vor allem in den letzten Wochen gegenüber Heinrich von Pierer nicht korrekt verhalten. Das kann man ihm nicht durchgehen lassen.“ Der Ruf von Siemens sei durch dieses Verhalten geschädigt worden. Dies sei ein unentschuldbares Verhalten eines Vorstandschefs, sagten Personen aus dem Umfeld des Aufsichtrats dem Handelsblatt weiter.

Andere Stimmen aus Aufsichtsratskreisen hatten zunächst darauf hingewiesen, dass der Siemens-Aufsichtsrat möglicherweise die Entscheidung über Kleinfelds Vertragsverlängerung um drei Monate verschiebt, um mehr Bedenkzeit zu haben.

Siemens bekräftigte jedoch, der Aufsichtsrat werde wie vorgesehen am Mittwoch über Kleinfelds Zukunft an der Konzernspitze entscheiden. Zu den Gerüchten um einen möglichen Rauswurf Kleinfelds schweigt der Konzern. „Spekulationen können wir grundsätzlich nicht kommentieren“, sagte ein Sprecher am Dienstag in München. Auch die Deutsche Bank war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Seite 1:

Aufsichtsrat sucht Kleinfeld-Nachfolger

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%