Nach Verlustquartal
Telekom Austria kassiert Umsatzziel

Vom Regen in die Traufe? Nach einem verlustreichem Quartal muss die österreichische Telekom ihr Umsatzziel stutzen. Das laufende Jahr sorgt bei dem von America Movil kontrollierten Unternehmen für schlechte Aussichten.
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WienNeuer Eigentümer - alte Probleme: Die Telekom Austria kämpft auch unter dem Dach der neuen Mutter America Movil mit sinkenden Mobilfunkpreisen, einer schärferen Regulierung und mauen Geschäftsaussichten für Osteuropa. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) schrumpfte im ersten Halbjahr um gut sieben Prozent auf 619 Millionen Euro und lag damit unter den Erwartungen von Analysten. Der Umsatz ging ebenso stark auf 1,9 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Für das laufende Jahr erwartet die Telekom Austria daher nun einen Umsatzrückgang von 3,5 statt bislang drei Prozent. Angesichts dessen schraubt die Firma ihre Investitionen auf 650 bis 700 nach den bislang geplanten rund 700 Millionen Euro zurück.

Die schlechteren Aussichten dürften vor allem dem mexikanischen Eigentümer wenig Freude bereiten: Der schnauzbärtige Milliardär Carlos Slim hält mit seiner America Movil seit dem Übernahmeangebot gut 50 Prozent. Weitere 28,4 Prozent stehen in Besitz der staatlichen österreichischen Holding ÖIAG - der Rest ist breit gestreut.

Zu schaffen machen der Telekom zum einen die schlechteren Geschäftsaussichten in Osteuropa: Allein in Bulgarien musste die Firma im zweiten Quartal 400 Millionen Euro abschreiben. Im ersten Halbjahr stand daher unter dem Strich ein Verlust von 318 Millionen Euro nach einem Gewinn von 108 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Darüber hinaus führte der Konzern den Gewinnrückgang auf ein neues Buchungssystem für Festnetzumsätze zurück: Nun werden dabei die tatsächlichen Verrechnungsdaten berücksichtigt, vorher wurden sie aus mehreren Systemen zusammengezogen und teils manuell errechnet oder geschätzt. Dadurch habe sich „die Schätzungskomponente reduziert und die Qualität der Daten verbessert“, erklärte die Telekom. Doch im zweiten Quartal schmälerte dieser Effekt den Umsatz um knapp 48 und das Nettoergebnis um gut 28 Millionen Euro.

Auch am hart umkämpften österreichischen Mobilfunkmarkt, wo die Telekom traditionell einen großen Teil ihrer Erträge erzielt, gibt es wenig Lichtblicke: Zwar stiegen die durchschnittlichen Erträge pro Kunde im Vergleich zu den Vorquartalen, lagen aber dennoch unter dem Vorjahreswert.

Das Management des ehemaligen Staatskonzerns setzt nun große Hoffnungen in die neuen Eigentümer: Sie wollen die Telekom als Plattform für weitere Zukäufe in Osteuropa verwenden. Doch zunächst soll die angesichts der Verluste weiter schrumpfende Kapitaldecke der neuen Tochter mit einer Kapitalerhöhung über eine Milliarde Euro gestärkt werden. Dafür will sich America Movil auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag grünes Licht holen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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