Nachgefragt
„Die Europäer hinken noch hinterher“

Das Handelsblatt spricht mit Klaus-Dieter Scheurle, heute Investmentbanker bei CSFB über die UMTS-Auktion. Er war erster Chef der Bundesnetzagentur.

Herr Scheurle, woran denken Sie heute als erstes, wenn von der UMTS-Auktion die Rede ist?

Dass die Auktion Gott sei Dank reibungslos verlief – sie war insofern weit weniger spektakulär, als man sich das möglicherweise vorstellt. Und ich erinnere mich an eine Episode: Ich ging mit eingeschaltetem Handy in die Bieterräume und löste einen Alarm aus. Wir hatten eine entsprechende Technik installiert, um zu verhindern, dass die Bieter ihr Mobiltelefon nutzen, um sich abzusprechen. Die Technik funktionierte, wie ich unbeabsichtigt unter Beweis stellte.

Besitzen Sie ein UMTS-Handy?

Leider nein, obwohl ich weiß, dass UMTS für meine beruflichen und auch privaten Zwecke die bessere Technologie wäre. Ich hatte aber bislang noch nicht viel Zeit, mir die UMTS-Angebote anzuschauen.

Erst verzögerten technische und finanzielle Probleme der Konzerne den UMTS-Start. Jetzt springen die Kunden nur zögerlich darauf an. Kam die Versteigerung nicht zu früh?

Das denke ich nicht. Der Blick nach Asien zeigt: Die Menschen wollen mehr Kapazitäten zur Datenübertragung auch in mobilen Netzen. Die Europäer hinken hier noch hinterher.

Ihr größter Erfolg – dass Sie Vodafone und Co. 50,52 Milliarden Euro entlockten – gilt als eine der Ursachen, die die Unternehmen in eine Krise stürzte. Wie gehen Sie damit um?

Diese Kausalität trifft so nicht zu. Grund der Krise war nicht die Lizenzvergabe, sondern eine vorhergehende Überhitzung des Marktes und eine Euphorie, die die Gebote entsprechend beeinflusste. Daher kann ich mit den Vorwürfen gut leben. Zumal klar ist: Die Vergabe der Lizenzen war wichtig für die Entwicklung im Mobilfunk. Ein Mobilfunkunternehmen ohne UMTS-Lizenz ist nicht für die Zukunft gerüstet.

Spricht jetzt der ehemalige Chef der Regulierungsbehörde oder der Investmentbanker in Ihnen?

Diese Ansicht hatte ich bei der Regulierungsbehörde, und ich bleibe bei meiner jetzigen Arbeit als Investmentbanker dabei. Die Frage, ob ein Unternehmen eine UMTS-Lizenz besitzt, ist entscheidend für die Bewertung.

Die Fragen stellte Katharina Slodczyk.

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