Nachrichtenagentur
Mitarbeiter lehnen Reformpläne des AFP-Chefs ab

Der Chef der Nachrichtenagentur Agence France-Presse ist mit einer Unternehmensreform am Votum der Mitarbeiter gescheitert. Sie fürchten unter anderem um die Unabhängigkeit des Medienunternehmens.
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ParisDie Mitarbeiter der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) haben ihren Chef Emmanuel Hoog in einem Misstrauensvotum zum Verzicht auf eine umstrittene geplante Unternehmensreform aufgefordert. Wie AFP am Donnerstagabend berichtete, sprachen sie sich mit großer Mehrheit gegen die Satzungsänderung aus; mit ihr soll unter anderem die Finanzierung der Agentur neu geregelt werden. Die Initiatoren des Votums befürchten zudem einen zu starken Staatseinfluss.

An der Abstimmung beteiligten sich demnach 797 der 1380 Berechtigten. 88,3 Prozent votierten für die Aufgabe des Projekts, 5,6 Prozent dagegen, 6 Prozent enthielten sich. Vorangegangen war eine Betriebsversammlung, bei der Hoog wegen seiner Unterstützung der Satzungsänderung kritisiert worden war. Er selbst betonte nach AFP-Angaben, er nehme das Ergebnis „zur Kenntnis“ und wünsche sich eine breite Diskussion über die Fortschreibung der aus dem Jahr 1957 stammenden Agentur-Statuten, in denen die AFP grob dem System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ähnelt.

Hoog sprach in dem Zusammenhang mit Blick auf seine Kritiker, aber ohne diese direkt zu nennen, von illegalen Praktiken im eigenen Hause. So seien Passwörter geknackt und Mailfächer durchstöbert worden. Das sei der Agentur unwürdig.

Die innerhalb der AFP aktiven Gewerkschaften drohten mit Warnstreik, sollte Hoog nicht entsprechend ihren Wünschen auf das Misstrauensvotum reagieren. Der Hintergrund des Streits: Der konservative Senator Jacques Legendre hatte im Mai ein Reformprojekt vorgelegt, das unter anderem eine neue Zusammensetzung des 15-köpfigen AFP-Verwaltungsrats vorsieht - mit deutlich weniger Medienvertretern und mehr Vertretern aus Politik und Verbänden.

Im Gegenzug für Beiträge zugunsten der französischen Kultur oder Sprache soll es außerdem finanzielle Kompensation bei den Kosten geben, also vermutlich Geld vom Staat oder von Verbänden. Die Initiatoren des Misstrauensvotums, zu denen die bei AFP vertretenen Gewerkschaften gehören, sehen in der Statutenänderung eine „schwere Gefahr für das Überleben, die Unabhängigkeit und das Image der Agentur überall in der Welt“.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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