Nachrichtenagenturen
dapd und dpa streiten um Kooperation mit AP

Nachdem die deutsche Nachrichtenagentur dapd Insolvenz angemeldet hat, will der US-Partner Associated Press nun mit der Konkurrenz dpa kooperieren. Der dapd-Insolvenzverwalter will gegen die Vertragskündigung vorgehen.
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DüsseldorfDer Insolvenzverwalter der Nachrichtenagentur dapd hält die vom bisherigen Geschäftspartner Associated Press (AP) jüngst bekanntgegebene Aufkündigung der Kooperation für rechtlich unwirksam. „Wir haben die Kündigung eingehend geprüft und halten sie sowohl aus insolvenzrechtlicher Sicht als auch aufgrund der konkreten vertraglichen Kündigungsregelungen für unwirksam“, erklärte der Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht am Freitag in Düsseldorf.

Die global tätige US-Nachrichtenagentur AP hatte am Mittwoch mitgeteilt, ab dem kommenden 1. Januar werde sie im deutschsprachigen Raum mit dem dapd-Konkurrenten Deutsche Presse-Agentur (dpa) zusammenarbeiten. dapd hatte Anfang Oktober teilweise Insolvenz angemeldet, acht ihrer Gesellschaften sind davon betroffen.

Von der Fecht erklärte nun, er habe seinen Befund, dass die Aufkündigung der Kooperation unwirksam sei, der AP inzwischen auch mitgeteilt. Er halte es vor diesem Hintergrund für „fraglich“, dass die dpa - wie angekündigt - ab dem 1. Januar die Inhalte von AP in Deutschland anbieten könne, ohne dabei bestehende Verträge zu verletzen. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters wollte sich am Freitag auf Nachfrage nicht zu weiteren möglichen Schritten von der Fechts äußern. Dieser habe AP schriftlich mitgeteilt, dass er die Aufkündigung der Kooperation zurückweise.

Laut der von AP und dpa geschlossenen Kooperationsvereinbarung soll die größte deutsche Nachrichtenagentur künftig AP-Texte und -Fotos in Deutschland und Österreich vermarkten sowie Kunden in der Schweiz AP-Texte anbieten. AP erhält zugleich die Möglichkeit, Texte und Bilder der dpa für die eigene Berichterstattung zu verwenden. Bislang war dapd der exklusive Partner von AP im deutschsprachigen Raum.

Von der Fecht hatte sein Konzept zur Sanierung von dapd erst zu Beginn der Woche präsentiert. Demnach soll etwa ein Drittel der 299 Beschäftigten bei den acht dapd-Gesellschaften seinen Arbeitsplatz verlieren; zugleich sollen aber sämtliche Dienste der Agentur bestehen bleiben. dapd war 2010 aus der Fusion des Deutschen Depeschendienstes (ddp) mit dem deutschsprachigen AP-Dienst entstanden.

Deutschland gilt als einer der weltweit am härtesten umkämpften Märkte für Nachrichtenagenturen. Neben dem Marktführer dpa und der dapd konkurrieren hierzulande noch die britische Agentur Reuters, die deutsche Tochter der französischen Nachrichtenagentur AFP, die zur AFP-Gruppe gehörende Sportagentur SID, die kirchlichen Agenturen epd und KNA sowie Spezialdienste für Wirtschaftsnachrichten um Kunden aus dem Medienbereich.

 



afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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