Nachrichtenagenturen
Radikaler Umbau soll DPA aus der Krise helfen

Die Kunden kündigen, die Ansprüche steigen. Deutschlands größte Nachrichtenagentur DPA steht massiv unter Druck und plant eine engere Verzahnung von Text, Bild, Grafik, Audio und Video. Konkurrent DDP erzielt dagegen ein Rekordergebnis - und rechnet einer Konsolidierung der Branche.

KÖLN. Mit einem tiefgreifenden Umbau will die Deutsche Presse-Agentur (DPA) die schwierige Medienzukunft meistern. Deutschlands größte Nachrichtenagentur plant eine engerene Verzahnung von Text, Bild, Grafik, Audio und Video, um den vielfältigen Kundenwünschen besser entsprechen zu können. „Was vor zehn Jahren noch der Kern unserer Wertschöpfung war, die Nachricht als kurze und prägnante Textbotschaft, genügt heute nicht mehr“, heißt es in einem internen Papier, das dem Handelsblatt vorliegt. „Nur in ihrer inhaltlich vertieften, intelligent verlinkten und multimedial präsentierten Form hat die Nachricht wieder den Rang eines Qualitätsproduktes.“

Derzeit laufen bei DPA die Vorbereitungen zur Einrichtung eines Newsrooms in Berlin auf Hochtouren. Das Unternehmen sucht nach Büroräumen mit einer Fläche von 3 000 Quadratmetern. Mit Hilfe des IT-Beratungshauses IDS Scheer soll das Unternehmen bis September komplett umgebaut werden. Aus diesem Grund wird der bisherige Chefredakteur von Spiegel Online, Wolfgang Büchner, bereits Anfang Juli bei DPA als Vize-Chefredakteur seine Arbeit aufnehmen. Anfang 2010 übernimmt er dann von Wilm Herlyn, der 19 Jahre die Agentur führte, den Chefredakteursposten.

Die Agentur steht unter großem Druck. Denn bei den Kunden gilt die DPA mittlerweile nicht mehr als unentbehrlich. Zuletzt hatte die WAZ-Gruppe der DPA gekündigt. Die Geschäftsführung versucht nun, die Kosten zu drücken. „Die Arbeit im integrierten Newsroom muss uns befähigen schneller, besser und kostengünstiger zu werden“, heißt es in dem internen Papier. Offenbar gibt es viele Baustellen. Die Berater von IDS Scheer haben 122 Störfaktoren in den Arbeitsprozessen von DPA aufgespürt.

Die 191 Gesellschafter der 1949 gegründeten Nachrichtenagentur erwarten eine höhere Rentabilität. „Vor 20 Jahren war es völlig ok, dass wir eine schwarze Null geschrieben haben. Das hat sich durch den Generationswechsel in den Chefetagen der Verlage grundlegend geändert“, sagt ein DPA-Insider. Nächste Woche legt DPA die mit Spannung erwartete Jahresbilanz vor. 2007 erzielte die Agentur mit rund 450 Redakteuren in 50 Inlandsbüros noch einen Umsatz von 93,8 Mio. Euro. Der Gewinn nach Steuern belief sich auf 4,4 Mio. Euro.

In der Branche wird unterdessen eine Konsolidierung erwartet. „Der deutsche Markt scheint uns überbesetzt“, heißt es beim Deutschen Depeschendienst (DDP). „Aus Nachkriegs- und Besatzungszeit überkommene Ideen, die freie Presse in Deutschland zu gewährleisten, haben sich überholt. Das zeigt sich daran, dass Agenturen auf großzügige Subventionen oder eine Solidargemeinschaft angewiesen sind. Das wird in der Zukunft, nach unserer Meinung, keinen Bestand haben.“ Insbesondere die Agence France Press (AFP) wird hingegen großzügig vom französischen Staat unterstützt. Von den jährlichen Einnahmen von 260 Mio. Euro stammen nach Branchenangaben 108 Mio. vom französischen Staat.

DDP erzielte 2008 das beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte. Bei einem Gesamtumsatz von zwölf Mio. Euro stieg der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf knapp 2,6 Mio. Euro. DDP hat zuletzt Verlagskonzerne wie WAZ und DuMont Schauberg („Frankfurter Rundschau“, „Berliner Zeitung“) als Neukunden gewonnen. In diesem Jahr erwartet das Unternehmen nach eigenen Angaben ein Wachstum von zehn Prozent. Zuletzt gab es Spekulationen, dass DDP das Inlandsgeschäft der krisengeschüttelten Associated Press (AP) übernehmen könnte. DDP dementierte aber ein Kaufinteresse. „Wir führen keine Gespräche“, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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