Nachrichtenmagazin
„Spiegel“-Sanierung kostet Stellen

Der „Spiegel“ verliert an Umsatz und Gewinn. Ein Sanierungsprogramm namens „Agenda 2018“ könnte Kündigungen auch in der Redaktion mit sich bringen. Dafür soll das Magazin näher an die Leser rücken.
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Hamburg„Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer weiß nur zu gut, wie hämisch die Presse sein kann, wenn es bei Unternehmen nicht rund läuft. Schließlich regen Spiegel und das Schwesterblatt „Manager Magazin“ Deutschlands Wirtschaftsgrößen regelmäßig auf. Zuletzt etwa musste sich der Unternehmer Michael Otto vorwerfen lassen, er scheue radikale Schritte, während sich die Notstände im Unternehmen ständig verschlimmerten.

Nun mag Brinkbäumer ahnen, wie sehr diese Worte auch auf den Spiegel-Verlag zutreffen könnten. Denn: Der Umsatz sinkt seit Jahren, der Gewinn fällt. Entsprechend vorsichtig agierte der Journalist in einem Pressegespräch im Hamburger Spiegel-Haus: Auf Zitate aus dem Gruppengespräch solle vor Veröffentlichung die Pressestelle des Verlags noch einmal schauen. Nach den Querelen um den gescheiterten Vorgänger Wolfgang Büchner will in der Spiegel-Führung offenbar niemand Fehler machen.

Brinkbäumer und Verlagsgeschäftsführer Thomas Hass, beide seit Jahresbeginn im Amt, stellten am Mittwoch den Mitarbeitern eine „Agenda 2018“ vor. Kernpunkt: Stellenstreichungen, wahrscheinlich samt betriebsbedingten Kündigungen. Die großen Projekte von Brinkbäumers Vorgänger Wolfgang Büchner sind jedoch erstmal zurückgestellt: Print- und Online-Redaktion werden erst einmal nicht verschmolzen. Stattdessen sollen 15 Arbeitsgruppen und ein „Innovation-Lab“ neue Projekte aushecken.

Mit den ersten Ideen holt Brinkbäumer nach, was die Konkurrenz in den vergangenen Monaten bereits teilweise eingeführt hat: mehr Bezahlinhalte mit einfachem Zugang auf der „Spiegel Online“-Website bis zum Jahresende, danach eine neue kostenpflichtige App mit einer digitalen Abendzeitung – auch auf Englisch. „Welt“ und „Süddeutsche Zeitung“ haben es bereits vorgemacht, auch das Handelsblatt hat ähnliche digitale Kanäle ausgebaut. Brinkbäumer setzt auf Vorteile aus der Verknüpfung von Inhalten aus Print, Online und eigener TV-Produktion.

Für mehr Aufregung dürfte der Stellenabbau sorgen. Denn eigentlich steht der Spiegel so schlecht nicht da. Das Führungsduo vergleicht die Zahlen für 2014 mit dem Erfolgsjahr 2007: Demnach ist der Umsatz der Gruppe – inklusive Spiegel TV – um 19 Prozent auf 284,9 Millionen Euro gesunken. Der Nachsteuergewinn ist zwar um knapp die Hälfte geschrumpft – mit 25,2 Millionen Euro erreicht die Gruppe aber immer noch eine im Branchenvergleich ordentliche Nachsteuermarge von knapp neun Prozent.

Für die geplanten Investitionen reiche das jedoch nicht aus, sagte Hass im Pressegespräch. Denn: Anders als andere Mittelständler schüttet der Spiegel seine Gewinne stets komplett an die Gesellschafter aus. Daher gibt es keine hohen Rücklagen aus den fetten Jahren. Das Unternehmen gehört zu 50,5 Prozent einer Gruppe aus 700 Mitarbeitern. Der Rest verteilt sich auf das Verlagshaus Gruner + Jahr und auf die Erben des Gründers Augstein. Sie alle trügen das Konzept mit, sagte Hass – doch auf Auszahlungen sollen sie auch in den kommenden Jahren nicht verzichten. Bleibt als Ausweg: sparen. Um 15 Millionen Euro sollen die jährlichen Kosten bis 2017 sinken. „Wir werden uns keine Tabus auferlegen“, sagte Hass.

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