Nachrichtensendungen sind betroffen
BBC-Mitarbeiter streiken gegen Sparpläne

Die altehrwürdige BBC steht vor ihrem ersten größeren Streik seit 16 Jahren. Einschneidende Sparpläne des Generaldirektors Mark Thompson haben die Mitarbeiter so verärgert, dass sie am heutigen Montag große Teile des Nachrichtenprogramms lahm legen wollen.

HB LONDON. Das wird nach Angaben der Gewerkschaften sowohl aktuelle Radioprogramme als auch die BBC-Fernsehsender, den Nachrichtenkanal News 24 und regionale Programme betreffen. Britische Zeitungen berichten, dass die BBC fünf Minuten lange Not-Nachrichten senden und die Lücken dazwischen mit Konserven füllen wolle. Ein BBC-Sprecher äußerte sich dazu nicht.

Thompson hatte im März angekündigt, 3 780 Stellen abzubauen und den Sender effizienter zu machen. Andererseits will er in eine Verbesserung des Programms zu investieren. Die Sparpläne sind auch ein Zugeständnis an die Regierung, die darüber zu entscheiden hat, ob der Auftrag der BBC ab September 2006 für weitere zehn Jahre verlängert wird. Die BBC wird, anders als die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland, ausschließlich über Gebühren finanziert. Die Regierung hat sich zwar bereits für eine weitere Gebührenfinanzierung ausgesprochen, aber zugleich gefordert, dass sich die BBC stärker von den Privatsendern abheben solle.

Zu den Sparmaßnahmen gehört auch der Verkauf der kommerziellen Tochter BBC Broadcast. Für sie sucht die Senderführung derzeit ungeachtet der Proteste Käufer. Unter den rund 1 000 Beschäftigten von BBC Broadcast ist die Unruhe daher besonders groß.

Die Gewerkschaften kritisieren, dass der einschneidende Stellenabbau zweifellos zu Lasten der Qualität gehen werde. Sie berichten, sie hätten im Zuge der Protestkampagne mehrere Hundert neue Mitglieder gewonnen.

Mehrere prominente Moderatoren scheuen sich derzeit, in den Sender zu kommen – sie wollen nicht als Streikbrecher beschimpft werden. Jeremy Paxman, als harter Interviewer der Sendung „Newsnight“ berühmt, hat sich laut Medienberichten für Montag Abend abgemeldet.

Politik-Kommentator Andrew Marr übt sich im Spagat: Einerseits sei er nicht in der Gewerkschaft und gegen den Streik, sagte er der Zeitung „The Independent“. Andererseits wolle er aber seine Kollegen auch nicht im Stich lassen. Daher bleibe er der Arbeit fern.

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