Nacktfoto-Verzicht
Wie ein Hedgefonds den „Playboy“ prüde macht

Der „Playboy“ wagt das Undenkbare und verzichtet in den USA bald auf Nacktfotos. Doch das Magazin steckt in einem noch größeren Umbruch – getrieben von Finanzinvestoren, die sich wenig um dessen DNA scheren.
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New YorkWeinroter Bademantel, Pfeife im Mund, blonde Schönheiten im Arm: Hugh Hefner war und ist der Inbegriff des Playboys. Auch mit 89 Jahren lebt er das Leben, von dem die Leser seines Magazins nur träumen können. Vor drei Jahren heiratete er die 60 Jahre jüngere Crystal Harris, ein ehemaliges Playmate. Im Laufe seines Lebens will Hefner mit mehr als tausend Frauen geschlafen haben.

Hefner liebt Frauen, Frauen lieben ihn. Die Entscheidung, ab Frühjahr nächsten Jahres keine komplett entblößten Frauenkörper mehr im amerikanischen „Playboy“ zu zeigen, muss ihm Bauchschmerzen bereitet haben. Sie zeigt, in welcher Existenzkrise sich das Magazin in einer Zeit befindet, in der pornografische Inhalte nur einen Mausklick entfernt sind – gratis. Und sie zeigt: Beim „Playboy“ hat nicht länger der Hefner-Clan das Sagen, sondern ein Management, das auf Druck von Inverstoren handelt.

2011 überzeugte das „Playboy“-Management Hefner, das über vier Jahrzehnte an der Börse gelistete Unternehmen wieder in eine private Gesellschaft umzuwandeln. Für viele Beobachter war klar: Hefner erhält dadurch wieder die Kontrolle über sein Baby. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn Hefner konnte die Unternehmensanteile nur mit Hilfe eines finanzkräftigen Investors zurückkaufen. Rizvi Traverse Management – gegründet vom Silicon-Valley-Financier Suhail Rizvi – pumpte den Großteil des Geldes in den über 200 Millionen US-Dollar schweren Deal.

Pläne für einen erneuten Börsengang

Hefner ist in dieser Beziehung der „Junior-Partner“, wie es das US-Magazin „Forbes“ formuliert. Er hält 30 Prozent der Anteile, die Investmentfirma 60 Prozent – der Rest gehört dem „Playboy“-Management. Hefner ist nur Angestellter des Unternehmens, in seinem Vertrag wird ihm aber eine volle redaktionelle Kontrolle über das Magazin garantiert. Für seinen Job bekommt er eine Millionen Dollar Gehalt im Jahr. Außerdem darf er weiter im „Playboy Mansion“ wohnen, für eine symbolische Miete.

Wie jeder Investor erwartet auch Rizvi Traverse Management eine Rendite für sein Investment. „Playboy“-Vorstandschef Scott Flanders treibt daher Pläne für einen erneuten Börsengang voran, eigentlich war er schon für Ende 2014 geplant. Flanders, seit 2008 an Bord, ist der erste „Playboy“-Chef ohne den Nachnamen Hefner. Er ist ein erfahrener Medienmanager. Auch bei seinen vorherigen Stationen hatte er es mit Medienhäusern zu tun, die zum Teil im Besitz von Private-Equity-Gesellschaften waren.

Im Unternehmen gilt Flanders als rauer Charakter. Mitarbeiter beschweren sich laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ über seine verbalen Attacken, klagen über die schlechte Arbeitsatmosphäre. Seit seinem Antritt hat Flanders das Unternehmen radikal verändert: Er strich die Belegschaft um 75 Prozent zusammen und veranlasste den Umzug der Zentrale vom Gründungsort Chicago nach Los Angeles. Außerdem gliederte er große Teile des Geschäfts aus, zum Beispiel den Erotiksender „Playboy TV“.

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  • Völlig richtig. Auf Seiten wie "Pressoportal.de" und "Polizei-Presse.de" wird nicht soviel unter den Teppich gekehrt. Wo liegt eigentlich Südland?

  • Ob nackt oder angezogen, ein Unternehmen braucht Rendite. Playboy war mal kommerziell wichtig vor der Internet Ära. Jetzt wird Playboy ins Altersheim geschickt. Was will Playboy als reine Internet Ausgabe? Nackte Frauen gibt es für jeden Geschmack gratis. Da müssen schon seht gute Schreiberlinge her, wenn da Geld verdient werden soll. Hefner's 1000 Frauen interessieren schon lange nicht mehr, höchstens dass man ihn bedauert, dass er so viele Frauen braucht um etwas zu lernen, wahrscheinlich ein hoffnungsloser Fall für die Frauen. Ich sehe den Playboy in einigen Jahren verschwinden.

  • Playboy Probleme und Bettgeschichten von Frau Petry, liebes HB, wann gibt es wieder gescheite Berichte ?
    Und merkwuerdig, dass auf Fragen nie jemand von der Redaktion antwortet, das kenne ich so nur von der Bundesregierung.
    Weder tel. noch per Mail bekommt man dort eine Stellungnahme.

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