Naspers
Südafrikas neuer Medienstar

Hinter erfolgreichen Onlinediensten wie Tencent und Mail.ru steckt Naspers. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in Europa und den USA hat das südafrikanische Medien- und Internetunternehmen ein Gespür für neue, lohnende Geschäfte entwickelt - und zeigt dies weltweit.
  • 0

KAPSTADT. Aktienkurssteigerung binnen eines Jahres: 30 Prozent. Gewinnverdoppelung in den ersten neun Monaten 2010, dazu ein Umsatzplus von 20 Prozent. Derartige Ergebnisse sind Investoren eher von Apple, Google & Co. gewohnt und nicht von einem traditionellen Medienunternehmen. Erst recht nicht, wenn es aus Afrika kommt.

Doch genau das ist bei Naspers der Fall: Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit in Europa und den USA hat das südafrikanische Medien- und Internetunternehmen eine große Erfolgsgeschichte geschrieben. Im vergangenen Jahr, als den meisten internationalen Rivalen die Einnahmen wegbrachen, verdoppelte Naspers seinen Marktwert. Auch in diesem Jahr ist es weiter aufwärts gegangen: Gegenwärtig beläuft sich Naspers Börsenkapitalisierung, die 1997 noch bei 400 Millionen Euro lag, auf rund 15 Milliarden Euro.

Branchenexperten schreiben den Erfolg dem charismatischen Unternehmenschef Koos Bekker zu: Während in anderen Teilen der Welt Verlagsmanager an veralteten Geschäftsmodellen festhielten und nur auf Einsparungen in der wenig dynamischen Printsparte setzten, hat Bekker das Unternehmen neu erfunden und international positioniert.

Bekker selbst macht lieber eine Verkettung glücklicher Umstände für den Erfolg verantwortlich. "Zum einen hatten wir die Fußball-WM im eigenen Land - und dann das große Glück, dass wir fast ausschließlich in Schwellenmärkten unterwegs sind", sagt er.

Naspers erwirtschaftete in den sechs Monaten bis Ende September einen Umsatz von 15,8 Milliarden Rand (1,75 Milliarden Euro). Der Nettogewinn lag bei 3,8 Milliarden Rand. Dazu trugen entscheidend die von der WM angelockten fast 500 000 neuen Abonnenten beim Bezahlsender Multichoice bei, der sein Programm mittlerweile in ganz Afrika ausstrahlt.

Seit seinem Amtsantritt als Unternehmenschef im Jahr 1997 hat Bekker die größte Mediengruppe in Afrika geschaffen. Aus der einst fast ausschließlich auf den südafrikanischen Printmarkt beschränkten Firma ist ein global tätiges Multimedia-Unternehmen geworden. Neben dem Pay-TV verdient der Konzern vor allem mit Internetdiensten und Druckerzeugnissen sein Geld - neben (Süd-)Afrika in China, Indien, Brasilien und Russland.

Zuletzt haben die Südafrikaner das Internetgeschäft kräftig ausgebaut: Die mit Abstand wichtigste Säule ist ihr 35-prozentiger Anteil an dem in Hongkong notierten chinesischen Internetportal Tencent. Das Portal beherrscht 80 Prozent des dortigen Markts für soziale Netze. Tencent wird nach Ansicht von Analyst Khulekani Dlamini von der Fondsgesellschaft Afena Capital noch auf Jahre hinaus eine Geldmaschine bleiben, zumal die Kerngruppe der 15- bis 35-jährigen Chinesen über steigende Einkommen verfüge.

Seite 1:

Südafrikas neuer Medienstar

Seite 2:

Kommentare zu " Naspers: Südafrikas neuer Medienstar"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%