Nationale Lösung
Telecom Italia sucht Präsidenten

Nur zehn Tage vor der Hauptversammlung hat der Präsident von Telecom Italia, Guido Rossi, seinen Posten geräumt. Sein Rücktritt ist das letzte Signal für die strategischen Wirren des Ex-Monopolisten, der zum Verkauf steht. Eine Gruppe von italienischen Banken versucht nun, doch noch eine nationale Lösung für Telecom Italia zu finden.

MAILAND. Pasquale Pistorio, der ehemalige Chef des Chipkonzerns ST Microelectronics, wird als möglicher neuer Präsident von Telecom Italia gehandelt. Vorübergehend übernimmt der Vorstandsvorsitzende Carlo Buora die Nachfolge des vergangene Woche überraschend zurückgetretenen Telecom-Italia-Präsidenten Guido Rossi. Den endgültigen Nachfolger wird jedoch der neue Verwaltungsrat bestimmen, der auf der Hauptversammlung am kommenden Montag gewählt wird.

Nur zehn Tage vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung hatte der Präsident von Telecom Italia, Guido Rossi, seinen Posten geräumt. Mit seinem Rücktritt hat der für seine Unabhängigkeit bekannte Jurist vor allem gegen das Vorgehen des Pirelli-Chefs Marco Tronchetti Provera protestiert, der den Telekom-Konzern über die Holding Olimpia kontrolliert. Nach seinem eigenen Rücktritt bei Telecom Italia im vergangenen Herbst hatte Tronchetti Provera Rossi noch höchstpersönlich an Bord geholt, ihn aber vergangene Woche überraschend nicht mehr für die Hauptversammlung aufgestellt. „Ich bin ihm gefährlich geworden, deshalb musste ich eliminiert werden“, begründete Rossi seinen Schritt.

Der Rücktritt Rossis ist nur das letzte Signal für die strategischen Wirren des italienischen Ex-Monopolisten, der derzeit zum Verkauf steht. In diesen Tagen versucht vor allem eine Gruppe von italienischen Banken, doch noch eine nationale Lösung für Telecom Italia zu finden, die seit einer Woche exklusive Gespräche mit dem US-Telekommunikationsriesen AT&T und mit dem mexikanischen Anbieter America Movil führen. AT&T und America Movil wollen jeweils ein Drittel an der Kontroll-Holding Olimpia übernehmen. Das restliche Drittel soll zunächst in der Hand von Pirelli und der Benetton-Familie bleiben, die mit 20 Prozent an Olimpia beteiligt sind – mit der Option, nach einem Jahr an die Amerikaner und Mexikaner zu verkaufen.

Vor allem die Bank Intesa Sanpaolo macht sich für einen Einstieg der italienischen Banken stark, um den nationalen Charakter des Unternehmens beizubehalten. „Telecom Italia ist ein sehr wichtiges Unternehmen für unser Land“, begründete dies der Vorstandsvorsitzende Corrado Passera. Wie aus Finanzkreisen verlautet, spricht Intesa Sanpaolo derzeit mit AT&T, um sich mit den Amerikanern an Olimpia zu beteiligen. Der für die Verhandlungen in Italien verantwortlich Entwicklungsmanager von AT&T Rick Moore hatte sich in einem Zeitungsinterview offen für „italienische Partner“ geäußert, ohne dies näher zu erläutern.

Die italienische Investmentbank Mediobanca soll dagegen einen Einstieg bei Olimpia erwägen, um den Weg für europäische Partner zu ebnen, wie France Télécom, Deutsche Telecom oder auch Telefonica. Die spanische Telefonica hatte erst vor mehreren Wochen über einen Einstieg bei Telecom Italia verhandelt. Die Gespräche waren allerdings gescheitert. Nun könnte sich für die Spanier eine neue Chance bieten.

Entscheidend bleibt dabei die Haltung der Politik. Italiens Regierung ist zwar – anders als bei der Deutschen Telekom – nicht mehr wesentlich an Telecom Italia beteiligt und darf auch keine so genannte goldene Aktie verwenden. Aber dennoch hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Regierung in Rom noch immer ein Wort mitzureden hat, wenn es um die Zukunft des ehemaligen Staatskonzerns geht. In diesen Tagen diskutieren Italiens Politiker über eine Abspaltung der Infrastruktur des Festnetzes und verweisen dabei auf das Beispiel Großbritanniens.

Seite 1:

Telecom Italia sucht Präsidenten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%