NBC-Verkauf
Vivendi stoppt Desaster in den USA

Der Medienkonzern Vivendi kehrt Hollywood endgültig den Rücken. Die Franzosen verkaufen ihren 20-prozentigen Anteil an dem amerikanischen Film- und Fernsehunternehmen NBC Universal für 5,8 Milliarden Dollar, wie es in Unternehmenskreisen hieß.
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DÜSSELDORF/PARIS. Mit dem Verkauf der Minderheitsbeteiligung an den weltgrößten Mischkonzern General Electric (GE) beendet Vivendi sein kostspieliges Gastspiel in den USA und macht zugleich den Weg frei für die größte Transaktion in der Medienbranche seit vielen Jahren: GE wird seinen nun 100-prozentigen Anteil an NBC Universal voraussichtlich noch in dieser Woche an den Kabelkonzern Comcast weiterreichen. Der Preis dürfte bei rund 30 Mrd. Dollar liegen.

Vivendi war im Juni 2000 mit dem Mischkonzern Seagram fusioniert. Die Transaktion bewertete Seagram, zu dem die Universal Studios gehörten, mit 34 Mrd. Dollar. Unter dem Namen Vivendi Universal entstand daraus der weltweit zweitgrößte Unterhaltungs- und Telekommunikationskonzern. Der Deal war Teil der Strategie des früheren Vivendi-Vorstandschefs Jean-Marie Messier, der auf dem Höhepunkt der Technologieblase weltweit an die Spitze des Mediengeschäfts stürmen wollte. Durch ungehemmte Akquisitionen türmte Messier am Ende einen Schuldenberg von 34 Mrd. Euro auf. Doch die Zusammenarbeit zwischen Paris und Hollywood funktionierte nie, der Börsenkurs des Konzerns legte eine beispiellose Talfahrt hin. Im Juni 2002 musste Messier, dessen Konzern ein Jahr zuvor einen Nettoverlust von fast 14 Mrd. Euro verbuchte, endgültig den Chefsessel verlassen.

Um die Folgen des Desasters zu begrenzen, gründete Messiers Nachfolger Jean-Bernard Levy mit dem amerikanischen Fernsehkonzern NBC im Herbst 2003 das Gemeinschaftsunternehmen NBC Universal. Bei dem Deal kassierte Vivendi 3,3 Mrd. Dollar in bar. Schon damals hatten die Franzosen in Verhandlungen durchgesetzt, ab 2006 ihren Anteil schrittweise verkaufen zu können. Der mittelfristige Rückzug aus Hollywood war schon beschlossene Sache.

Kleinaktionäre proben den Aufstand gegen den Konzern und fordern Milliarden

Das Abenteuer in den Vereinigten Staaten ist für Vivendi mit dem Verkauf der Anteile an GE aber noch nicht endgültig abgeschlossen. Seit Oktober läuft in New York ein Prozess, in dem Vivendi eine milliardenschwere Schadensersatzzahlung droht. Kleinaktionäre werfen dem Konzern und seinem Ex-Chef Messier in einer Sammelklage vor, die Finanzsituation von Vivendi Universal beschönigt zu haben. Ein Anwalt der Kleinaktionäre bezifferte den entstandenen Schaden auf 50 Mrd. Dollar. Aus Sicht der Franzosen ist diese Summe nicht gerechtfertigt.

Die Börse reagierte gestern auf den Ausstieg bei NBC Universal positiv. Die Vivendi-Aktie stieg an der Börse um fast drei Prozent. Analysten von CM-CIC-Securities lobten, der Ausstieg passe genau zur Strategie von Vivendi, sich auf Kerngeschäfte zu konzentrieren und den Anteil am französischen TV-Unternehmen Canal Plus auszubauen, mit der Aussicht, im nächsten Jahr den Bezahlsender vollständig zu übernehmen. Zuletzt hatte Vivendi vom französischen Fernsehkonzern TF 1 9,9 Prozent der Anteile an Canal Plus erworben. Der Medienkonzern ist außerdem an M6 herangetreten, um deren 5,1-Prozent-Anteil zu übernehmen. M6 ist eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann. Analysten von CM-CIC-Securities merkten aber kritisch an, dass der Preis „leicht unter den Erwartungen von sechs Mrd. Dollar“ liege. Die Experten von Oddo Securities hingegen sprachen von „guten Nachrichten“. Der Preis für den Universal-Anteil liege rund 25 Prozent über dem Wert des Sektors.

Vivendi wollte sich gestern auf Anfrage weder zum Verkauf noch zur Höhe des Kaufpreises äußern. Die Franzosen hatten mit dem GE-Management bereits seit Monaten verhandelt, Knackpunkt der Gespräche war der Preis. Die Franzosen wollten für ihre 20 Prozent an NBC Universal ursprünglich 6,1 Mrd. Dollar, GE habe aber nur 5,6 Mrd. Dollar geboten, hieß es in Verhandlungskreisen. Ein Treffen von Vivendi-Chef Levy und GE-Chef Jeffrey Immelt soll die Entscheidung gebracht haben.

NBC Universal besteht aus dem Hollywood-Studio Universal und einer Reihe von Fernsehsendern wie NBC und dem Wirtschaftskanal CNBC. In Deutschland besitzt NBC Universal die kleinen Bezahlsender 13th Street und SciFi. Außerdem sind die Amerikaner an den Pay-TV-Kanälen History Channel und Biography Channel beteiligt.

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