Neffe des Firmengründers schießt gegen Aufsichtsrat
Offerte trifft Disney-Chef Eisner zur Unzeit

„Umstritten“, „gefürchtet“, „meistgehasst“: Diese Attribute verbinden sich fast automatisch mit dem Namen Michael Eisner (61).

je PORTLAND. Seit fast 20 Jahren herrscht der Sohn eines Rechtsanwalts aus Mount Kisco, New York, mit eiserner Hand über Walt Disney. Er steuerte die Expansion des Mickey-Mouse-Trickfilmstudios zu einem Medien-Imperium. 1984 wurde er von Paramount Pictures angeheuert, 1995 übernahm er die TV-Gesellschaft ABC, und unter seiner Ägide stieg die Marktkapitalisierung des Medienkonzerns bis Ende der 90er-Jahre von zwei auf mehr als 60 Mrd. $. Und Eisner schöpfte den Rahm ab. Allein in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre verdiente er rund 750 Mill. $.

Aber der Erfolg hatte Schattenseiten. 1994 kam Frank Wells, die Nr. 2 bei Disney, bei einem Hubschrauberunfall um. Als Alleinherrscher machte sich Eisner fortan Feinde. Kreative Talente verließen das Unternehmen und wurden zum Teil, wie Jeffrey Katzenberg mit dem Dreamworks Studio, zu erbitterten Konkurrenten. Eisner kaufte den Talent-Agenten Michael Ovitz teuer ein und fand ihn nach 15 Monaten mit 139 Mill. $ ab. Aktionäre verklagten ihn deshalb, aber Eisner sicherte sich gegen alle Attacken, indem er den Aufsichtsrat überwiegend mit loyalen Freunden besetzte. Als sich in den vergangenen Jahren Verluste häuften und der Aktienkurs einbrach, fand Eisner kein Rezept gegen den Niedergang. US-Wirtschaftsmagazine zählten ihn zu den am meisten überbezahlten Managern. „Eine Übernahme ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, Eisner bei Disney abzulösen“, schrieb der britische Economist.

Die Übernahmeofferte von Com-cast trifft Eisner in einer prekären Phase – obwohl sich die Ergebnisse des Konzerns verbessert haben und sich der Aktienkurs erholt hat. Gestern erst gab Disney – durch die Comcast-Offerte früher als geplant – gute Zahlen für das erste Quartal 2004 bekannt (siehe Grafik). Eisner steht unter Dauerbeschuss von Roy Disney und Stan Gold, zwei ehemaligen Aufsichtratsmitgliedern. Der Neffe des Firmengründers und Großaktionär, Roy Disney, nennt Eisner „seelenlos und nur auf kurzfristigen Profit bedacht“. Der hochangesehene Gold war lange Finanzberater des Unternehmens und wirft Eisner vor, sich als kreativer Manager erschöpft zu haben. Am 3. März ist Hauptversammlung in Philadelphia, und einen Tag vorher wollen Disney und Gold in

einem Aktionärsforum über Eisner zu Gericht sitzen.

Der Konzern schießt indessen zurück. In einem Aktionärsbrief beschuldigt der derzeitige Aufsichtsrat die beiden einer Kampagne gegen die Interessen der anderen Anteilseigner. Auftrieb bekamen Disney und Gold vor wenigen Tagen dadurch, dass Steve Jobs, der Chef der Trickfilmstudios Pixar und Chef des Computerkonzerns Apple, die Verhandlungen mit Eisner abbrach. Pixar, deren Trickfilme, wie zum Beispiel „Findet Nemo“, Disney Hunderte von Millionen an Gewinn brachten, will das Vertriebsabkommen mit dem Konzern nicht verlängern. Doch die Trennung werde sich frühestens in drei oder vier Jahren auswirken, glaubt Analyst Douglas Mitchelson von der Deutschen Bank. Bis dahin hätte Eisner die Pensionsgrenze erreicht – wenn er nicht vorher von Comcast abgesetzt wird.

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