Negativrekord
Umsatzrückgang in der Chipindustrie

Handy verkaufen sich derzeit so schlecht wie lange nicht mehr, die Elektronikbranche steckt in der Krise und reißt die Halbleiterindutrie mit. Erstmal seit 2001 ist der Branchenumsatz der erfolgsverwöhnten Chiphersteller sogar gesunken. Entspannung ist nicht in Sicht.

MÜNCHEN. Solche Zahlen sind in der Halbleiterbranche selten: Vergangenes Jahr sei der Umsatz der von kräftigem Wachstum verwöhnten Industrie um knapp drei Prozent auf 248,6 Mrd. Dollar zurück gegangen, teilte der amerikanische Branchenverband Sia gestern mit. Es ist das erste Minus seit dem Ende des Internet-Booms im Jahr 2001.

Die Sia begründet das schwache Geschäft mit dem katastrophal schlechten Handyverkauf und der allgemeinen Krise der Elektronikindustrie. Alleine im Dezember seien die Erlöse der Branche um 22 Prozent auf 17,4 Mrd. Dollar eingebrochen. Das ist besonders bitter, denn normalerweise brummt das Geschäft zu Weihnachten. „Die Industrie befindet sich in einer noch nie da gewesenen Phase der Unsicherheit“, sagte Sia-Präsident George Scalise.

Die schwachen Zahlen schlagen voll auf die einzelnen Unternehmen durch. Der amerikanische Chipausrüster Applied Materials hat wegen hoher Restrukturierungskosten und einer schwachen Nachfrage gestern einen Verlust angekündigt. In seinem ersten Geschäftsquartal wird der Konzern ein Minus zwischen neun und elf Cents je Aktie verbuchen. Im November war Applied Materials noch davon ausgegangen, es knapp in die Gewinnzone zu schaffen. Diese Prognose habe jedoch nicht die Kosten für Restrukturierungen berücksichtigt. Beim Umsatz peilt der Konzern nun einen Rückgang von gut einem Drittel auf 1,33 Mrd. Dollar an – das untere Ende der zuvor genannten Spanne. Applied Materials leidet angesichts der Wirtschaftsflaute unter den riesigen Überkapazitäten in der Chip-Branche. Weil viele Fabriken geschlossen werden, ist gebrauchtes Equipment zudem überall günstig zu haben.

Schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Die meisten Chiphersteller gehen davon aus, dass die Verkäufe im ersten Halbjahr kaum anziehen. Am meisten leiden die Produzenten von Speicherchips: Wegen der niedrigen Preise hat Qimonda aus München bereits Insolvenz angemeldet.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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